"Bavaria Vista Club"

Eine Liebeserklärung an Bayerns Kultur

Für seinen Dokumentarfilm „Bavaria Vista Club“ porträtierte Walter Steffen außergewöhnliche Volksmusiker. Die Kritik:

Das Korsett, in dem die bayerische Volksmusik Jahrzehnte lang steckte, war eng geschnürt: „Die hat man immer nur in einem bestimmten Rahmen bekommen – im Trachtenverein oder bei der CSU.“ Doch da muss sie ja nicht bleiben, fügt Evi Keglmaier grinsend hinzu. Sie und ihr Quartett Zwirbeldirn sprengen die fest gezurrten Maschen mit Freude. Als eine von acht oberbayerischen Musikgruppen, die Walter Steffen in dieser wunderbaren zu Film gewordenen Liebeserklärung an die bayerische Kultur vorstellt.

Das Besondere: Steffen gelang es nicht nur, all die immer etwas aus dem Rahmen fallenden, blitzgescheiten musizierenden Persönlichkeiten in seinem Dokumentarfilm „Bavaria Vista Club“ zu vereinen – er hat auch ein Talent, die Musiker im Gespräch zu öffnen. So erfahren wir in sehr persönlichen Schilderungen, was sie eigentlich alle gemeinsam haben: die tiefe Leidenschaft, Musik zu machen – über gesellschaftliche, finanzielle Widerstände oder jenes des Elternhauses hinweg. Sie alle wollen authentisch sein, sich nicht verbiegen lassen, Volksmusik machen – aber auf ihre Weise. Axel Stoßberger von Zwoastoa bringt’s auf den Punkt: „Wir spielen da nix, sondern des san mir.“

Hier spielt keiner klassische Stubnmusi. Alle Porträtierten – viele sind weitgereiste Lebenskünstler, die irgendwann in ihre bayerische Heimat zurückgefunden haben – bringen neue Elemente in die Kompositionen ein. Da werden Mantras gejodelt, Reggae und Blues mit der „miefig piefigen Schlagermusik der Siebzigerjahre“ (Andreas Königsmann, Zwoastoa) verwoben. Am Ende ist das die großartigste Volksmusik, die man sich nur denken kann. Völkermusik. Das Beste von allem. Mitten in Bayern. Ein großer Genuss!

Katja Kraft

Rubriklistenbild: © Screenshot

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