Störung verursacht Verspätungen auf der Linie S7

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Ein Bayer dreht Jagdszenen in der Mark Brandenburg

- Ein Mann, Typ geschniegelter Bubi im edlen Zwirn, sitzt in seinem Cabrio und spricht in ein Diktiergerät: "Ich bin Teil einer Gesellschaft, in der wir unsere Ideale verloren haben." Ein Auto donnert vorbei, dumpf wummert die Technomusik. Das Diktat der eigenen Gedanken wird unterbrochen, der Raser wird verfolgt und nach rasanter Verfolgungsjagd schließlich gestellt. "An die Verkehrstoten denkt keiner", empört sich der Anzugträger und verlangt ein Bußgeld. Damit nicht genug.

<P>Mit der Erklärung "pädagogische Maßnahme" wird zusätzlich auch noch das Lenkrad des Autos abgeschraubt. Der Schnellfahrer glotzt blöde, während der junge Mann mit dem erbeuteten Lenkrad abzieht und den Kofferraum seines Cabrios öffnet - in dem bereits etliche Lenkräder liegen.</P><P>Mit dieser furiosen Jagdszene aus der Mark Brandenburg beginnt "Muxmäuschenstill", der vielleicht interessanteste Beitrag der diesjährigen Berlinale. Der am heftigsten diskutierte deutsche Film ist diese rabenschwarze Komödie auf jeden Fall. Die fiktive Dokumentation begleitet den Weltverbesserer Mux (gespielt von Drehbuchautor Jan Henrik Stahlberg) auf seiner Odyssee durch die moralischen Niederungen unserer Republik.<BR><BR>Mux, eine Art moderner, Kant lesender Don Quichote im Dienste der Gerechtigkeit, stellt Falschparkern, Kaufhausdieben, Kinderschändern, Sprayern und anderen Kriminellen nach. In einer irrwitzigen Mischung aus Blockwart, Sheriff und Moralapostel macht sich Herr Mux daran, die Welt zu verbessern.<BR><BR>"Jedes Land hat die Helden, die es verdient. Michael Schumacher ist ein Held, weil er schnell im Kreis fahren kann und keine Steuern bezahlt." Mux ist kein Held. Darauf legt Marcus Mittermeier, der Regisseur des Films, großen Wert. "Wir haben darauf geachtet, dass die Figur Schritt für Schritt demontiert wird." Schließlich wäre ein Land voller Muxe eine schreckliche Zukunftsvision, in der sich alle Nachbarn gegenseitig bespitzeln und kontrollieren würden. "Das Verhalten von Mux bleibt immer gleich. Unser Trick ist, mit der veränderten Sichtweise des Zuschauers zu spielen. Nur dadurch erhält dieser unbelehrbare Charakter ständig neue Schattierungen", erläutert Mittermeier sein Regiekonzept.<BR><BR>Das kommt ganz offensichtlich an beim Auditorium: Vier Preise heimsten Mittermeier und Stahlberg beim soeben über die Bühne gegangenen Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken ein. Darunter auch den Publikumspreis. "Das hat uns ganz besonders gefreut. Denn es beweist, dass die Leute begriffen haben, welche Diskussion wir mit dem Film anstoßen wollten." Er wolle keinesfalls so ein "Zeigefinger-Mensch" sein, erklärt der gebürtige Niederbayer Mittermeier überzeugt. "Ich gebe bloß die Geschichte vor, die Gedanken dazu sollen sich die Menschen selbst machen. Mich stört es immer, wenn man das Publikum für so dumm hält, dass man alles gleich festlegt."<BR><BR>Die Idee zu "Muxmäuschenstill" hatten die beiden Schauspieler, die man aus vielen Fernsehserien, wenn schon nicht namentlich, dann wenigstens am Gesicht erkennt, vor etwa einem Jahr. "Jan saß in der U-Bahn und beobachtete einen äußerst nervösen Mann, der offensichtlich keine Fahrkarte hatte. Dabei überlegte er sich: Was wäre eigentlich, wenn ich da jetzt rüber gehe und ihn danach frage? Das war die erste Idee, und dann wurde es allmählich immer mehr. Ein Jahr lang haben wir immer wieder über das Projekt diskutiert, das Drehbuch konnten wir dann innerhalb eines Monats herunter schreiben. Da stand alles schon fest."<BR><BR>Mittermeier und Stahlberg kennen sich von der Schauspielschule in München, Regieerfahrung hatten die beiden Darsteller nicht. So ist "Muxmäuschenstill" das Experimentelle, Schnelle und Umhertastende eines klassischen Debütfilms durchaus anzumerken. Andererseits haben sich die beiden einiger Finessen bedient, die man sonst eher alten Hasen des Metiers zuordnen würde, die videoclip-artig schnellen Schnitte, die sarkastischen Pointen oder die doppelte Kameraführung etwa. "Letztlich wollten wir nur den momentanen Zeitgeist einfangen", resümiert Mittermeier.<BR></P>

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