Bedächtige Bilder

- Wer Hunde und kleine Kinder hasst, kann kein schlechter Mensch sein, behauptete W.C. Fields einmal. In dem zweiten Film der Münchner HFF-Absolventin Byambasuren Davaa gibt es beides, niedliche Kinder und ebensolche Hunde. Dieser kalkulierten Charme-Offensive wegen ist "Die Höhle des gelben Hundes" wahrlich noch kein schlechter Film geworden. Aber ein wirklich guter auch nicht. Wie schon in der "Geschichte vom weinenden Kamel", mit dem Davaa im vergangenen Jahr einen Sensationserfolg erzielte, international gefeiert und sogar für den Oscar nominiert wurde, spielt auch "Die Höhle des gelben Hundes" in Davaas Heimat Mongolei.

Doch während ihr Debüt über ein schneeweißes, neugeborenes Kamel, das von seiner Mutter verstoßen wurde, eine Dokumentation war, variiert Davaa diesmal das Genre und erprobt sich am märchenhaft-mythisch angehauchten Spielfilm. Was nicht immer geglückt erscheint, gerade wenn die Handlung rund um das kleine Nomadenmädchen Nansa fortschreitet. Das Kind findet auf einem seiner Streifzüge durch die Weiten der mongolischen Steppe einen kleinen, schwarz-weiß gefleckten Hund. Gegen den Willen des Vaters behält Nansa das Tierchen, bis es eines Tages verschwindet. Die untröstliche Nansa sucht verzweifelt nach ihrem Gefährten und begegnet dabei einer alten Frau, die ihr die Legende von der "Höhle des gelben Hundes" erzählt, eine Parabel von Tod und Wiedergeburt, vom ewigen Kreislauf des Lebens und Sterbens.

Diese allgemeingültige Überzeitlichkeit, ein zentrales Thema in Davaas bisheriger filmischen Arbeit, setzt die Regisseurin hier um in sehr bedächtige, elegische und postkartenschöne Bilder. In knappen Dialogen und langen rein beobachtenden Sequenzen erklärt Davaa dem Zuschauer die Grundprinzipien nomadischer Lebensweise wie zum Beispiel die Milchverarbeitung oder das Aufbauen einer Jurte. Das ist überraschend authentisch, und auch der Konflikt der Nomaden zwischen Tradition und Moderne wird geschickt durch Kleinigkeiten angedeutet. Eine filigrane Idylle ist das Leben dieser Menschen, die sich bald immer stärker verändern wird.

Mitunter gerät die bewusst inszenierte Ruhe allerdings ins arg Behäbige, und man würde sich weniger dokumentarische Genauigkeit und mehr energisch vorangetriebene Handlung wünschen in dieser Produktion, die ja laut Etikett eigentlich ein Spielfilm sein will.

(In München: ABC, Eldorado, Theatiner i.O.)

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