Bedingungslose Leidenschaft

- Wer schon will das bewegte Leben der Malerin Frida Kahlo (1907-1954), einer verkrüppelten, mexikanischen Künstlerin sehen, die kommunistischen Idealen nachhing und ein bizarres Privatleben führte? Schauspielerin Salma Hayek hat gute Überzeugungsarbeit geleistet: "Frida" wurde realisiert - mit ihr in der Hauptrolle. Das Ergebnis: eine packende, ambitionierte Filmbiografie.

<P>Das ist nicht zuletzt das Verdienst der Regisseurin Julie Taymor. Hayek und Taymor ging es in "Frida" darum, die extreme Existenz einer ungewöhnlichen Künstlerin einem möglichst großen Publikum nahe zu bringen, sozusagen einen populären Kunstfilm zu drehen. So wird alles brav chronologisch geschildert _ vornehmlich unter dem Aspekt der zerstörerischen Ehe Kahlos mit dem Maler und notorischen Frauenhelden Diego Rivera (Alfred Molina). Das Konzept geht nur dann nicht auf, wenn der sozialistische Eifer Kahlos als universeller Humanismus idealisiert wird.</P><P>Überwältigend ist "Frida" aber in seinem visuellen Einfallsreichtum. Taymor hat einen faszinierenden Weg gefunden, dem Zuschauer die Kunst Kahlos nahe zu bringen: Sie erweckt ihre Bilder buchstäblich zum Leben, indem sie eine Art dreidimensionaler Version ihrer Gemälde kreiert. Dafür wurden eigens Varianten von Kahlos Gemälden angefertigt und virtuos mit Realfilmsequenzen vermischt. So gelingt dem Film, was auch Kahlos Bildern gelang: scheinbare Alltagsszenen surreal zu brechen, um den wahren Kern der Dinge zu enthüllen. Was einen aber mitreißt, ist Salma Hayek. Sie lebt die Rolle der Frida Kahlo mit bedingungsloser Leidenschaft. Und abgesehen von der physischen Ähnlichkeit, ist es auch die von Hayek ausgestrahlte Lebenslust, die sie in dieser Rolle so unwiderstehlich macht. Was immer Frida Kahlo vom Film gehalten hätte - Salma Hayek hätte ihr gefallen. (In München: Filmcasino, Eldorado, Rio, Cinema i. O., Museum i. O.)</P><P>"Frida"<BR>mit Salma Hayek, Alfred Molina<BR>Regie: Julie Taymor<BR>Sehenswert </P>

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