Bedrohung und Zweifel

- Es sind die kleinen Dinge, die den Lauf des Lebens bestimmen. Charles (Clive Owen) verpasst seinen Pendler-Zug und trifft so Lucinda (Jennifer Aniston). Die zwei finden sich nett, verabreden sich und nehmen bald darauf ein Hotelzimmer. Soweit ist das zwar moralisch nicht einwandfrei - beide sind verheiratet -, aber nicht weiter ungewöhnlich.

Bis ein Psychopath (Vincent Cassel gibt lustvoll das Ekelpaket) das Zimmer stürmt. Er verprügelt Charles, vergewaltigt Lucinda und verschwindet.

Bald meldet er sich wieder und erpresst Charles: Entweder er zahlt, oder die Ehefrau wird über den Seitensprung informiert. Zur Polizei kann Charles nicht, denn Lucinda hat Angst, dass alles herauskommt - ihr Ehemann würde mit der Tochter das Weite suchen. Also versuchen sie auf eigene Faust, das Problem zu regeln und haben gegen den Gangster keine Chance. Schlimmer ist für Charles allerdings, dass er an Lucinda zu zweifeln beginnt. Misstrauen und die ständige Bedrohung treiben Charles an den Rand des Wahnsinns.

Hollywood-Neuling Mikael Hafström hat das als furioses Psycho-Drama mit Thriller-Elementen inszeniert. Die reichlich konstruierte Handlung und logische Aussetzer bremsen den Filmfluss freilich immer wieder. Aber das kompensieren die Schauspieler. Clive Owen als ratloser Biedermann und insbesondere Jennifer Aniston als undurchsichtige Femme fatale spielen gekonnt gegen ihr jeweiliges Image an.

Das steigende Unbehagen aneinander ist subtil eingefangen und lässt vieles glaubhaft erscheinen, was nicht viel Sinn ergibt. Eine düstere Moritat über die Bedeutung der vermeintlich kleinen Dinge - sie entscheiden über unser Leben.

"Entgleist"

mit Clive Owen, Jennifer Aniston

Regie: Mikael Hafström

Annehmbar

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