Vier Tage vor Anschlag: Attentäter flog von Düsseldorf nach Manchester

Vier Tage vor Anschlag: Attentäter flog von Düsseldorf nach Manchester

Es beginnt mit dem blutgetränkten Ende

- Lange hat es gedauert, bis der Skandalfilm des letztjährigen Festivals in Cannes den Weg in die Lichtspielhäuser gefunden hat. Nun haben die Kinogänger auch hierzulande wieder einen echten Aufreger. 200 Personen haben damals den Vorführsaal verlassen, gut ein Zehntel des Publikums. "Unerträglich" oder "widerlich" waren die vernichtenden Urteile. Man kann den Leuten nur Recht geben. Und trotzdem ist "Irreversible" einer der packendsten Filme des Jahres. Einer der verstörendsten allerdings auch.

<P>Regisseur Gaspard Noé erzählt die Geschichte einer Vergewaltigung und der folgenden, archaischen Rache. Das indes nicht chronologisch, sondern von hinten nach vorn.<BR><BR>Noés drastischer und ungeschönt inszenierter Film beginnt also mit dem blutgetränkten Ende: Fahrig, nervös und hektisch wackelt eine Handkamera durch dunkle Gänge einer Pariser Sado-Maso-Disco. Zwei aufgebrachte Männer, sichtlich nicht mehr nüchtern, drängen, prügeln und pöbeln sich durch die Räume, immer auf der Suche nach einem Kerl namens Tenia. Endlich glauben sie den Richtigen gefunden zu haben. Und in einem Rausch der Gewalt zertrümmert einer der beiden dem angeblichen Tenia des Gesicht mit einem Feuerlöscher.<BR><BR>Das Skandalwerk des Festivals in Cannes</P><P>Die nächste Szene zeigt die Taxifahrt der beiden Männer Marcus (Vincent Cassel) und Pierre (Albert Dupontel) zu diesem Etablissement, und so arbeitet sich Noé Schritt für Schritt rückwärts. Er schildert die Party, die Alex (Monica Belucci), Freundin von Marcus, früher verlässt, weil sie müde ist, und anschließend sehr ausführlich in einer über neun Minuten langen Einstellung ohne jeden Schnitt, wie ein Unbekannter Alex in einer Unterführung vergewaltigt.<BR><BR>Irgendwann zwischen all den kurzen, rückwärts aneinander montierten Etappen, in denen die drei Freunde zur Party fahren, sich vorher anziehen und einen Treffpunkt am Telefon verabreden, wird die Kamera immer ruhiger, ausgeglichener und weniger nervös. Der Blick korrespondiert mit dem Gemütszustand von Marcus, der in einer der letzten, eigentlich ersten Szenen des Dramas erfährt, dass er demnächst Vater werden wird. Und erst in diesen letzten Episoden wird klar, was die Vergewaltigung alles zerstört hat. Das Glück eines jungen Paares, die Harmonie einer Clique, das banale, alltägliche Leben in mitunter auch betulich-langweiliger Geborgenheit.<BR><BR>Fragwürdig bleibt jedoch, trotz aller guter Absichten Noés, die Zuschauer mit krassesten Mitteln und einer gehörigen Portion Polemik aufrütteln zu wollen, die Moral der Geschichte: Egal wie brutal ein Verbrechen sein mag - kann es das Tier im Menschen, kann es eine wild rasende Selbstjustiz rechtfertigen? Die Antwort muss immer ein klares Nein sein. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Cinema i.O.)<BR><BR>"Irreversible"<BR>mit Monica Belucci, Vincent Cassel, Albert Dupontel<BR>Regie: Gaspard Noé<BR>Sehenswert </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neuer „Harry Potter“-Film kommt - mit einem kleinen Haken
Den von J. K. Rowling erfundenen Zauberlehrling Harry Potter aus Hogwarts kennt jeder. Doch die Produzenten eines anderen Films werfen der Schriftstellerin vor, die Idee …
Neuer „Harry Potter“-Film kommt - mit einem kleinen Haken
Er war der coolste James Bond: Nachruf auf Roger Moore
Trauer um Roger Moore: Der James-Bond-Darsteller ist mit 89 Jahren an Krebs gestorben. Hier lesen sie einen Nachruf auf Roger Moore. 
Er war der coolste James Bond: Nachruf auf Roger Moore
„Pirates of the Caribbean 5“: Routine statt Spannung
Johnny Depp torkelt über die Schiffsplanken, Javier Bardem zeigt Vampirzähnchen - und ein junges Liebespaar gibt es auch. Disneys unverwüstliche Piratensaga geht mit …
„Pirates of the Caribbean 5“: Routine statt Spannung

Kommentare