Begrenzte Möglichkeiten

- "Eine komplette Generation wird deinetwegen barfuß gehen müssen. Wir hätten die Welt retten können, aber jetzt müssen wir leider unsere Umweltabteilung dicht machen." Die gönnerhaften Zynismen des von Alec Baldwin mit sardonischem Charme verkörperten Managers Phil DeVoss gelten Drew, dem begabten Turnschuh-Designer bei einer Kultmarke in Portland - Ähnlichkeiten zu "Nike" sind keineswegs zufällig. Soeben hat Drew mit einem neuen Entwurf eine knappe Milliarde vernichtet: das größte Desaster der Firmengeschichte. Als ihn nun auch noch die Freundin verlässt, ist er reif für den Selbstmord. Davon hält ihn nur ein Anruf mit der letzten schlimmen Nachricht des Tages ab: Drews Vater ist gestorben, seine Mutter bittet ihn, den Leichnam zu überführen.

Durchgeknallte Stewardess

Bald sitzt Drew im Flugzeug nach Kentucky, wo er, der einzige Fluggast, Claire kennenlernt, die einzige, überaus kesse, aber auch ein wenig durchgeknallte Stewardess, die nun wie eine gute Fee sein Leben verändert. Von Beginn an schlägt Cameron Crowes neuer Film voller Humor und in wohldosierter Übertreibung den Ton eines modernen Märchens an. "Elizabethtown", das ist zwar eine gar nicht mal fiktive Provinzstadt in Kentucky, doch zugleich auch ein verzauberter, verzaubernder Ort.

Der Film erzählt die Liebesgeschichte zwischen zwei Ungleichen, der offenen, optimistischen, aber auch neurotisch-unsicheren Claire und Drew, diesem passiven, distanzierten, im Augenblick depressiv-apathischen Egomanen. Während Kirsten Dunst als Claire einen glänzenden Auftritt hat, bleibt Orlando Bloom in seiner ersten Rolle außerhalb des Action-Genres blass und überagiert an der falschen Stelle. Geglückt aber ist die verquere Liebesgeschichte, die gerade in ihrer Umständlichkeit viel Charme entfaltet. Ein Höhepunkt ist das erste Telefonat zwischen Drew und Claire, das eine Nacht dauert und in ein Treffen auf halbem Weg mündet.

Die Begegnung Drews mit dem Tod und verdrängten Erinnerungen wirft die Frage nach dem Sinn des Lebens auf: Bei allem Screwball-Witz, Running-Gags und satirischer Distanz durchzieht den Film ein roter Faden aus Melancholie. Zu Beginn bietet Crowe zugleich eine beißende, glänzende New-Economy-Satire. Man kann nur vermuten, dass der in ökonomischen Niederlagen erfahrene Regisseur hier eigene Erlebnisse einfließen ließ.

Trotz solcher Stärken bleibt "Elizabethtown" seltsam unentschiedenes Stückwerk; für ein Drama ist der Film zu flach, für eine Komödie zu wenig böse - und so repräsentiert der Film auch die gegenwärtige Neigung Hollywoods, es in Zeiten ökonomischer Schwäche allen und jedem recht zu machen, hinter der sich nur fehlendes Selbstbewusstsein verbirgt. Was hätte Crowes erklärtes Vorbild Billy Wilder aus diesem Stoff gemacht? Die Frage genügt, um die Grenzen dieser Arbeit aufzuzeigen.

(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Leopold, Autokino, Cinema.)

"Elizabethtown"

mit Orlando Bloom, Kirsten Dunst, Alex Baldwin

Regie: Cameron Crowe

Sehenswert

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