Die bekannteste Rothaut aller Zeiten

- München - "Nun sehen wir sie endlich von Angesicht zu Angesicht, die legendären Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou! Den weißen Mann, der über das Große Wasser kam, um im Wilden Westen Heldentaten zu verrichten. Und den letzten Häuptling der Apachen, der bedingungslos sein Leben einsetzt, wenn es gilt, dem Recht zum Siege zu verhelfen. Mit ihnen reiten wir durch die endlosen Weiten der amerikanischen Prärien."

<P>Mit diesen geschwungenen Worten beginnt die Karl-May-Verfilmung "Der Schatz im Silbersee" aus dem Jahr 1962. Der weiße Mann kam zwar nicht über den Großen Teich, sondern aus dem US-Bundesstaat New York und hieß Lex Barker, die endlosen Weiten der amerikanischen Prärien lagen im sommerlich sonnenverbrannten Kroatien, und der sagenumwobene Chef der Apachen war ein Franzose aus bestem Hause. All diese Ungenauigkeiten minderten jedoch nicht den Erfolg der von Horst Wendtland produzierten Karl-May-Filme.<BR><BR>Mit "Papas Kino" ging es steil bergauf</P><P>Die Filme brachten der Nation den Wilden Westen in reinster Klischeeausformung näher: Die Felsen so karstig, die Sonne so heiß, der Himmel so blau und der einsame Reiter so grenzenlos mutig. Die Zuschauer standen Schlange vor den Kinokassen. Über zehn Millionen Besucher dürften allein "Der Schatz im Silbersee" und "Winnetou I", die ersten beiden Karl-May-Inszenierungen aus teutonischer Hand, gesehen haben. Mit den späteren Produktionen wie "Unter Geiern", "Der Ölprinz", "Old Surehand" oder "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" (damals laut Filmplakat noch mit Ursula statt Uschi Glas) verhielt es sich ähnlich.<BR><BR>Die Folgen waren unerwartet: Mit der deutschen Filmindustrie, vorher von den Neuen Deutschen Filmemachern als "Papas Kino" verspottet, ging es steil bergauf. Kleine und größere Jungs lebten ihre Träume vom Cowboy-Dasein aus - für 90 Minuten, inmitten des tröstlichen Dunkels eines Lichtspielhauses.<BR><BR>Die Frauen interessierten sich eher für den Lidstrich von Marie Versini alias Nschotschi - oder doch nur für ihn, die bekannteste Rothaut aller Zeiten: Winnetou, letzter Häuptling der Apachen, im bürgerlichen Leben auch bekannt als Pierre Brice.<BR>In seinem Heimatland Frankreich ist Brice, der am 6. Februar 1929 in Brest als Baron Pierre Louis de Bris geboren wurde, kaum bekannt. Hierzulande kann er ohne Übertreibung als lebende Legende bezeichnet werden. Seit 42 Jahren reitet er, in einen weißen Hirschfellanzug und Mokassins gewandet, für die Sache des "roten Mannes". </P><P>Mittlerweile hat sich Brice mit seinem Schicksal arrangiert</P><P>Gut vier Jahrzehnte lang hat Brice nichts anderes getan, als den berühmtesten aller Indianer zu verkörpern. Im Film, in Fernsehserien und auf Freilichtbühnen wie Elspe oder Bad Segeberg. Er hat uns gelehrt, dass der wahre Apache edel, mutig, treu, weise und gut aussehend ist, und ihm der weiße Mann moralisch stets unterliegt. Zusätzlich hat er uns die gedrechselten Dialoge Karl Mays erträglich gemacht. "Winnetou ist betrübt, weil sein weißer Bruder ihn jetzt verlässt." - "Es ist nicht für lange. Winnetou weiß, wenn er mich braucht, bin ich wieder an seiner Seite." Sowas ließ sich nur schmerzfrei ertragen, wenn man dabei in die markante Miene von Pierre Brice blicken konnte. Zwar versuchte Brice in den Anfangsjahren seiner Karriere hin und wieder, von seinem Rothaut-Image wegzukommen. Hat aber nichts genützt.<BR><BR>Über Filme wie "Aufstand der Tscherkessen", "Die Mühle der versteinerten Frauen" oder "Die Frau der Pharaonen" hat sich gnädig der Mantel des Vergessens gebreitet. Was bleibt, ist Winnetou.<BR><BR>Mittlerweile hat sich Brice mit seinem Schicksal arrangiert: "Ich habe Winnetou viel zu verdanken. Vorher war ich ein Schauspieler, den man nur in Italien, Spanien und ein wenig in Frankreich kannte. Nun bin ich zu einem Idol der deutschen Jugend geworden." Nicht nur der Jugend. Unser Idol wird morgen 75 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch.</P>

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