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Christine Neubauer

„In Berlin gibt es so etwas gar nicht“

München - Es ist so eine Sache mit dem Deutschen Filmball in München. Seit Jahren schon steht er in der Kritik, weil die ganz großen Stars ihm zunehmend fernbleiben, die internationalen sowieso.

Nicht einmal der frisch gekürte Ehrenpreisträger des Bayerischen Filmpreises, Wim Wenders, ließ sich am Samstagabend blicken – obwohl er auf der Gästeliste stand. „Er hat leider abgesagt“, sagten die, die eigentlich seine Tischnachbarn gewesen wären.

Und dann ist da auch noch die Sache mit „Harry Potter“ Daniel Radcliffe, der immerhin gerade auch im Bayerischen Hof residierte und offenbar gerne zum Filmball gekommen wäre. Doch es war kein Platz mehr für ihn, so hieß es zumindest mancherorts. Was genau dran ist an der Geschichte, ist nicht ganz klar. Fakt ist: Ein internationaler Filmstar befand sich im selben Hotel wie der altehrwürdige Deutsche Filmball – doch er kam nicht runter in die festlich geschmückten Hallen. Diejenigen, die stattdessen als große internationale Prominenz angekündigt wurden, Regisseur Peter Berg etwa oder Modell Brooklyn Decker, verbreiteten bei den Fotografen Aufregung – aus Angst, man würde sie womöglich nicht erkennen.

Natürlich sorgten Jungstars wie Matthias Schweighöfer, Florian David Fitz oder Hannah Herzsprung und Josefine Preuß für jugendlichen Glamour auf dem roten Teppich und Damen wie Iris Berben, Veronica Ferres oder Uschi Glas (alle drei in traumhaften Glitzerkleidern) für divenhaften Glanz.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sah sich aber bei der Balleröffnung doch gezwungen, erstmal eine Sache klarzustellen: „Ich bin glücklich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir auch das Jubiläum hier in München feiern können.“ Im kommenden Jahr wird der Filmball schließlich runde 40 Jahre alt – und der ewige Wettstreit mit Berlin schläft nicht. „Früher war München die Filmstadt überhaupt“, sagte etwa der französische Regisseur Jean-Jacques Annaud („Der Name der Rose“). „Seit der Wiedervereinigung Berlins ist München ein bisschen weniger wichtig geworden.“ Aber er liebe München, betonte er. Die Stadt wecke auch Erinnerungen an seine Freundschaft mit dem vor einem Jahr verstorbenen Filmproduzenten Bernd Eichinger, die er „ein Privileg“ nannte.

Eichingers Tochter Nina führte als Moderatorin durch einen Abend, an dem C-Promis Anschluss suchten und echte Promis versuchten, nicht mit ihnen fotografiert zu werden. An dem Matthias Schweighöfer mit Gerüchten über das Beziehungs-Aus mit Ani Schromm aufräumte: „Wir haben den Artikel auch gelesen. Der hängt jetzt bei uns in der Küche.“ Ein Abend, an dem der bayerische Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber zu „I will survive“ herumhüpfte und die Arme in die Luft riss und sich ein auf solchen Veranstaltungen seltener Gast blicken ließ: der Schauspieler und Schriftsteller Franz Xaver Kroetz. Der Smoking, den er trug, stammte sogar tatsächlich noch aus Helmut Dietls Kult-Fernsehserie „Kir Royal“, wie er verriet.

Schauspieler und Drehbuchautor Florian David Fitz („Vincent will Meer“) erkannte in diesem Abend „so ein bisschen was Retro-mäßiges. Es hat was von der MS-Europa 1986.“ Die Ballkleider, die Band – „in Berlin gibt es so etwas gar nicht. Kann man sich zumindest nicht vorstellen“. Damit ist zumindest diese Frage geklärt. Bis zum nächsten Jahr.

Britta Schultejans

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