Berlinale endet mit deutschem Überraschungssieger

- Berlin - Es ist ein überraschender Triumph für das deutsche Kino: Der Goldene Bär der 54. Internationalen Filmfestspiele Berlin ging nach 18 Jahren erstmals wieder an einen deutschen Film. Der türkischstämmige Regisseur Fatih Akin ("Solino") aus Hamburg erhielt den Hauptpreis der Berlinale für seine stürmische Liebesgeschichte "Gegen die Wand".

<P>Zuletzt hatte 1986 Reinhard Hauff mit seinem RAF- Film "Stammheim" den Goldenen Bären gewonnen. "Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, einen so großen, elitären und besonderen Preis für einen kleinen, schmutzigen, rockigen Film zu erhalten", sagte Akin. Sein Film hatte im Berlinale-Rennen nicht zu den ganz großen Favoriten gehört.</P><P>"Gegen die Wand" erzählt die Geschichte einer jungen Türkin aus Hamburg, die durch eine Scheinehe ihrem konservativen, moslemischen Elternhaus entflieht. Als Ehemann sucht sie sich einen alkoholsüchtigen, wesentlich älteren Landsmann aus, doch aus der anfänglichen Zweckbindung wird eine dramatische Liebe. Der in Deutsch und Türkisch gedrehte Film zeigt auf rauhe und berührende Art das Leben deutscher Türken der zweiten Einwanderergeneration. Im offiziellen Berlinale-Wettbewerb konkurrierten insgesamt 23 Filme aus aller Welt. Jury-Präsidentin war die amerikanische Oscar- Preisträgerin Frances McDormand.</P><P>Er finde es schön, dass mit dem Goldenen Bären "zwei Länder gleichzeitig glücklich gemacht werden können", meinte Akin. Er hoffe, dass mit der Auszeichnung endlich diese "gewisse Exotik der Emigranten-Szene" gesprengt werde. Der Goldene Bär sei eine "Form der Gleichberechtigung und der Akzeptanz". Auch der Fipresci-Preis des Internationalen Filmkritiker-Verbandes ging an "Gegen die Wand." Der Film startet am 22. April in den Kinos.</P><P>Keine Überraschung gab es bei der Verleihung des Silbernen Bären an die beste Schauspielerin. Die aus Südafrika stammende Hollywoodschauspielerin und Oscar-Anwärterin Charlize Theron erhielt den Preis für ihre Rolle als lesbische Serienmörderin in Patty Jenkins' Film "Monster". Theron teilt sich die Auszeichnung mit der Kolumbianerin Catalina Sandino Moreno, die für ihre Darstellung einer Drogenkurierin in der US-kolumbianischen Produktion "Maria voll der Gnade" ("Maria, llena eres de gracia") geehrt wurde. Der Film von Joshua Marston erhielt außerdem den Alfred-Bauer-Preis zur Erinnerung an den Gründer der Berlinale.</P><P>Als bester Schauspieler wurde Daniel Hendler aus Uruguay für seine Rolle in "El Abrazo Partido" (Letzte Umarmung) ausgezeichnet. Der Film des argentinischen Regisseurs Daniel Burman erhielt außerdem den Großen Preis der Jury. Er erzählt von der schmerzhaften Begegnung eines jungen Mannes aus Buenos Aires mit seinem einst vor den Holocaust nach Israel geflüchteten Vater. Der Silberne Bär für die beste Regie ging an den koreanischen Filmemacher Kim Ki-Duk für seinen Film "Samaria" (Die Samariterin) über Schulmädchen- Prostitution, ein Porträt einer moralisch zerfallenden Gesellschaft.</P><P>Einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung erhielt das Schauspieler-Ensemble des schwedischen Beziehungsfilms "Morgengrauen" ("Om Jag Vänder Mig Om") von Björn Runge. Daneben erhielt der Film die Auszeichnung "Der Blaue Engel" als bester europäischer Film. Für die beste Filmmusik wurde Banda Osiris für die Kompositionen in dem umstrittenen italienischen Film "Primo Amore" (Erste Liebe) von Matteo Garrone ausgezeichnet. Der zweite deutsche, kontrovers diskutierte Wettbewerbsbeitrag "Die Nacht singt ihre Lieder" von Romuald Karmakar ging leer aus.</P><BR><BR>

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