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Die britische Schauspieler Clive Owen kommt mit seiner Frau zur Weltpremiere von "The International".

59. Berlinale mit "The International" eröffnet

Berlin - Mit der Weltpremiere von Tom Tykwers Politthriller "The International" ist am Donnerstagabend die 59. Berlinale eröffnet worden. Die Internationalen Filmfestspiele Berlin wurden damit ihrem Ruf als Festival mit politischer Botschaft gerecht.

In Zeiten von Finanzkrise und Globalisierungsängsten legt der deutsche Regisseur ("Lola rennt", "Das Parfum") den Finger genau in die Wunde. Der Brite Clive Owen ("Children Of Men") und die Australierin Naomi Watts ("King Kong") spielen in dem Action-Drama ein Ermittlerteam, das gegen die Übermacht einer international agierenden Bank kämpft.

Stars und Sternchen bei der Berlinale

Stars bei der Berlinale 2009

Das Finanzunternehmen macht skrupellos kriminelle Geschäfte mit Waffenschiebern und afrikanischen Diktatoren und schreckt auch nicht davor zurück, Widersacher von einem Profikiller erledigen zu lassen. Armin Mueller-Stahl ("Buddenbrooks") ist in der Rolle eines früheren Stasi-Haudegens zu sehen, der sich am Ende auf die Seite des Guten schlägt. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Berlin, Mailand und Istanbul sowie in den Babelsberger Filmstudios. Dort wurde das New Yorker Guggenheim-Museum für eine wahnwitzige Actionszene nachgebaut.

Rund 1600 Zuschauer waren in den Berlinale-Palast am Potsdamer Platz gekommen - darunter fast die komplette deutsche Schauspieler-Elite: Nina Hoss, Heike Makatsch, Ulrich Matthes, Christian Berkel, Joachim Krol und Ulrich Tukur ebenso wie Senta Berger, Iris Berben, Jürgen Vogel und Hannelore Elsner. Daneben Kameramann Michael Ballhaus, Produzent Bernd Eichinger, Sänger Herbert Grönemeyer und Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Hunderte Filmfans standen am roten Teppich, um die Premierengäste zu sehen.

Nicht ganz vollständig war das "The International"-Team. Watts, die gerade erst Mutter geworden ist, war nicht nach Berlin gekommen. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und Jury-Präsidentin Tilda Swinton gaben dann den Startschuss für das Festival, das bis zum 15. Februar fast 400 Filme aus aller Welt zeigt. Mehr als 250 000 Kinobesucher werden erwartet. Im offiziellen Wettbewerb um den Goldenen Bären konkurrieren 18 Regiearbeiten.

Im dpa-Gespräch über seinen Film zeigte sich Tykwer erschreckt darüber, wie nah sich Realität und Fiktion sind. "Es war schon immer ein faszinierender Gedanke für mich, Privatbankiers, die sich sozusagen von bestimmten moralischen Verantwortlichkeiten verabschiedet haben, als Bösewichte eines Krimis ins Zentrum zu stellen", sagte Tykwer. "Das Verrückte ist, dass unsere Sorge, dass das alles zu konstruiert wirken könnte, sich heute ins Gegenteil verkehrt hat." Als er das Drehbuch las, habe er bereits gewusst, "die Welt ist nicht in Ordnung", erklärte Mueller-Stahl. "Ich dachte schon länger, hoffentlich wird einmal aufgedeckt, was für Monster da in den Banken sitzen. Wir sind Sklaven des Geldes geworden und nicht Beherrscher des Geldes."

Dass die Finanzkrise nur ein Teil der weltweiten Krise ist, das machte auch die Berlinale-Jury klar. Das siebenköpfige Gremium zeigte sich politisch kämpferisch. Die Welt müsse den Blick auf ihre Krisenherde richten, forderte die britische Schauspielerin Swinton. "Niemand spricht über die Ärmsten der Armen, die wirklich betroffen sind", meinte Jury-Mitglied Henning Mankell. Der Bestseller-Autor lebt in Schweden und Mosambik.

Nach Ansicht von Jurymitglied Christoph Schlingensief kann das Medium Film zur Aufklärung beitragen. "Wir können uns nicht pausenlos dirigieren lassen. Wir müssen lernen, dass wir selber auch gestalten können. Das ist auch, was eine Filmkamera leisten kann", erklärte der Film- und Theaterregisseur. Viele Filme des diesjährigen Festivals zeigen die Opfer von Globalisierung und Kriegen. Doch auch der Glamour kommt nicht zu kurz. Erwartet werden Stars wie Oscar-Anwärterin Kate Winslet, Leonardo DiCaprio, Michelle Pfeiffer, Renée Zellweger, Keanu Reeves, Demi Moore, Michel Piccoli, Willem Dafoe, Woody Harrelson und Steve Martin.

dpa

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