Berlinale: "Überlebende" an einem Tisch

- "Wie schön, dass ich endlich mal über den Film reden darf . . .", freute sich Anthony Minghella. Es war die vierte Frage auf der Pressekonferenz, die ihm erst dazu Gelegenheit gab. Dabei war die Presse Minghella keineswegs feindselig gesinnt. Doch nachdem sein Bürgerkriegs-Schmachtfetzen "Cold Mountain" die Berlinale eröffnet hatte, überwog die Enttäuschung; erst recht nachdem klar war, dass keiner der drei Hauptdarsteller Nicole Kidman, Jude Law, Renée Zellweger gekommen war. Stattdessen wurde Minghella von Harvey Weinstein flankiert, dem ebenso allmächtigen wie selbstbewussten Chef der Miramax-Studios, und der bestritt dann den Großteil der Show.

<P>Mehr als einmal nahm der Filmtycoon seinem Regisseur mit einem bündigen "I'll answer that" das Wort und reagierte ohne Zorn auf so unangenehme Fragen wie die, warum der Film nur vier Oscar-Nominierungen erhalten habe: "Jeder kann sich irren."<BR><BR>Nach diesen Reaktionen zu urteilen, scheint sich Weinsteins dritter Eröffnungsfilm in Folge unter Berlinale-Chef Dieter Kosslick zu einem verflixten dritten Mal zu entwickeln. Denn auch Kosslick selbst trifft ungewohnte Kritik: Zumindest auf dem Papier wirkt die Zusammenstellung des Wettbewerbs für erfahrene Festivalbesucher nicht spannend. </P><P>Zu viele attraktive Filme verlor Kosslick an Cannes, zu viele Stars haben abgesagt, und auf zwei deutsche Wettbewerbsfilme brachte es auch Kosslicks oft gescholtener Vorgänger Moritz de Hadeln jedes Jahr mühelos. Vielleicht ist es ja Kosslicks berühmte Selbstironie, dass das Plakat verdächtig einer Zielscheibe ähnelt. Zum Schluss skizzierte Minghella immerhin noch die Botschaft seines Films: "Ich bin Optimist: Am Anfang ist Krieg, am Ende sitzen alle Überlebenden um einen Tisch." Vielleicht geht es ja auch der Berlinale so, und sie endet mit einer fröhlichen Versöhnungsfeier. </P>

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