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Im Berliner Zitatenpark

"The Good German": - Heute hat es einen romantischen Appeal, jenes Nachkriegsberlin im Sommer 1945. Im neuen Frieden herrschten die alliierten Besatzer, der Kalte Krieg kündigte sich erst fern am Horizont an, auf der Konferenz von Potsdam legte man die Ordnung des neuen Deutschland fest. Täglich wurden alte Nazis verhaftet, die ersten Gefangenen kamen heim, die Fräulein für ein paar Zigaretten mit aufs Zimmer, und man räumte erste Trümmer: auf den Straßen und in den Köpfen. Filmbericht

Eine Goldgrube war das, nicht nur für die Besatzer, sondern auch fürs Kino. Die politischen Fronten verknüpften sich mit dem Skeptizismus der Zeit und dem Stil des Film Noir: Michael Curtiz‘ Opus "Casablanca" hatte es vorgemacht, nach dem Krieg drehte dann Billy Wilder "A Foreign Affair" und Carol Reed seinen mythengesättigten "Dritten Mann".

Altmodische Geschichte mit nostalgischem Charme

Diese Filme sollte man im Kopf haben, wenn jetzt Steven Soderbergh nach Berlin 1945 zurückreist, genau: in jenen heißen August der Potsdamer Konferenz. Im Zentrum steht Jake Geismer (George Clooney), ein US-Korrespondent. Für eine Woche kommt er hierher, wo er bereits vor dem Krieg als Journalist arbeitete, und bald schon holt ihn die Vergangenheit ein. Sie hat die Gestalt einer Frau: Lena Brandt (Cate Blanchett), einst Jakes Assistentin und Geliebte, verheiratet und desillusioniert vom Geschehen der letzten Jahre.

 Filmbericht

Ihr Mann ist spurlos verschwunden, und Lena ist heute die Mätresse von Jakes Fahrer. Als dieser ermordet wird, ist schnell klar, dass Lena mehr weiß, als sie sagt, möglicherweise auch, wo sich ihr Mann versteckt. Und Jake kann von ihr nicht lassen, und mischt sich ein in Dinge, die ihn nichts angehen...

Es ist eine schöne altmodische Geschichte mit großem nostalgischen Charme, die Steven Soderbergh hier in Schwarzweiß erzählt. Krimi und Spionage mischen sich, der Plot nimmt immer neue Volten. Soderberghs Schwarz-Weiß-Film ist ein Film über die Kunst, die Kunst des Film Noir mit ihren spätexpressionistischen Geschichten aus Licht und Schatten, Hoffnung und Paranoia, die vor allem von europäischen Emigranten in Hollywood -­ wie Lang, Wilder, Siodmak und Preminger -­ begründet wurde und vor der sich Soderbergh in fast jeder Szene verbeugt.

"The Good German", entstanden nach dem gleichnamigen Roman von Joseph Karon (USA 2001), verwandelt die Ruinen von Berlin in einen filmgeschichtlichen Zitatenpark. Schon der Beginn des Films ist großartig: Eine lange Sequenz aus Originalaufnahmen des zerstörten Berlin jener Monate, wie man sie im Kino lange nicht sah, beklemmend authentisch. "The Good German" ist vor allem auch ein Film über die Kunst, heute einen Film zu machen, der aussieht, als wäre er vor 60 Jahren gedreht worden.

Ein absurdes Unternehmen: Man stelle sich vor, heute wolle einer so malen wie einst Rembrandt. Es geht und geht wieder nicht, denn nie wird es genau so aussehen wie der echte Meister ­- mag die Nachstellung auch perfekt sein, fehlt doch die Patina der Originale.

Weil Soderbergh das weiß, versucht er auch gar nicht, den Film als alt zu verkaufen: Alles ist vielmehr geprägt von der Trauer über das Verschwinden der alten Gesten und Erzählweisen. Steven Soderbergh, der ­- das darf man nicht vergessen -­ neben Mainstream ("Oceans Eleven") immer wieder auch gewagte Experimente drehte wie das Tarkowski-Remake "Solaris" ist ein großer Eklektizist: "The Good German" ist ein wunderschönes Experiment, klug und voller Melancholie. (Ab morgen in München: Münchner Freiheit, Atlantis, Cinema i.O.)

"The Good German"

mit George Clooney,

Cate Blanchett

Regie: Steven Soderbergh

Hervorragend *****

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