Berufsverbot für Helden

- Helden, das sind Dummköpfe, die für andere die Kastanien aus dem Feuer holen. Genau diese Binsenweisheit wird dem Weltenretter Mr. Incredible in dem hinreißenden Animationsfilm "Die Unglaublichen" zum Verhängnis. Schuld an Mr. Incredibles Unglück ist ein Selbstmörder, der sich nicht helfen lassen will - und nach der Rettung auf Schadensersatz klagt. Eine Lawine an Prozessen rollt plötzlich auf die ahnungslosen Supermänner zu. Schon oft konnte man sich in einem Actionfilm fragen: Wer soll das bezahlen? Regisseur und Drehbuchautor Brad Bird hat diese Überlegung amüsant auf die Spitze getrieben. Denn die Helden, die früher auf Teufel komm raus gerettet hatten und Trümmerfelder voll Schutt und Schrottwagen hinterließen, erhalten der immensen Kosten wegen jetzt Berufs- bzw. Helden-Verbot.

<P>Mr. Incredible wird der Versicherungsvertreter Bob Parr, der sich mit trauriger Miene jeden Morgen in sein winziges Auto zwängt, und seine ebenfalls heroische Frau Helen, ehemals Flexigirl, verwendet ihre Gummiarme nur noch zum Hausputz und zur Bändigung des ebenfalls mit Superkräften ausgestatten Nachwuchses. Aber es ist ein schweres Los, die hübsche Magie nicht anwenden zu dürfen. Bob Parrs Hüften verfetten zusehends, und der Haussegen hängt meistens schief. Also rettet er heimlich Menschen, um nicht aus der Übung zu kommen, und stemmt nachts Lastwägen, um in Form zu bleiben. Da erreichen ihn neue Helden-Aufträge - doch hinter diesen Herausforderungen steckt ein ehemaliger Konkurrent und Erzbösewicht; plötzlich muss sich die gesamte Familie Parr mit allen Mitteln verteidigen gegen das Unheil der Welt.<BR><BR>Das wirklich Unglaubliche an den "Unglaublichen" ist, dass sich die Digital-Zauberer aus den Pixar-Studios endlich an die Menschen gewagt haben. Nach Filmen wie "Das große Krabbeln", "Toy Story", "Findet Nemo" und "Monster AG" oder "Shrek" weiß man inzwischen, dass sich vieles trefflich und lebensecht via Computer darstellen lässt. Nun haben die Comiczeichner und Programmierer erstmals Menschen fantasievoll illustriert - mit überraschenden Einfällen, enormer Liebe zum Detail, visuellem Witz und messerscharfen Dialogen. Kein Wunder, schließlich war Brad Bird früher Drehbuchautor für die "Simpsons". Demzufolge wären viele Gags und Ideen, die hier in zehn Minuten abgehakt werden, allein schon einen Spielfilm wert.<BR><BR>Auch an Seitenhieben auf aktuelle US-amerikanische Gepflogenheiten mangelt es nicht. Derlei gesellschaftskritische Töne erschweren allerdings die Einordnung: Kleinere Kinder werden die temporeichen Verfolgungsjagden, schnippischen Wortwechsel und zahlreichen Anspielungen schwer verstehen. Gesetzte Kinogänger interessieren sich zu wenig für Animationsfilme. Das sollte sich ändern, denn der auch sehr originell synchronisierte Film bietet familientaugliches Unterhaltungskino und perfekte James-Bond-Parodie in einem. </P><P>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Cadillac, Autokino, Cinema und Museum i. O., Forum, Gabriel, Kino Solln.)<BR><BR>"Die Unglaublichen"<BR>Regie: Brad Bird<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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