Der bessere Bond

- Vermutlich neigen große Komiker zur Melancholie, weil sie die Welt so zeigen, wie sie wirklich ist, und nicht recht verstehen, weshalb alle anderen das lustig finden. In "Johnny English" etwa entlarvt Rowan Atkinson den James-Bond-Mythos als Ansammlung abgestandener Klischees. Alle werden darüber lachen - und doch wieder in den nächsten Bond gehen.

Dabei ist "Johnny English" der bessere Bond, weil er das kindische Treiben des Genres auf die Spitze treibt. Die Handlung ist mindestens so abstrus wie in einem echten Agenten-Thriller, dafür haben die Autoren Neal Purvis und Robert Wade gesorgt, die Drehbücher für zwei 007-Filme verfasst haben.

Die Kronjuwelen, das Allerheiligste der britischen Nation, werden aus dem Tower gestohlen. Und weil alle fähigen Geheimagenten des Landes bei einem Anschlag ums Leben gekommen sind, wird Bürohengst Johnny English (Rowan Atkinson) zum Top-Agenten befördert und mit der Wiederbeschaffung beauftragt. Dabei gerät er einem unglaublichen Komplott auf die Spur: Ein französischer Wirtschaftsmagnat (John Malkovich persifliert mit sichtbarem Vergnügen sein Image als Bösewicht) will König von England werden.

Peter Howitt hat das spannend und vergleichsweise ernsthaft in Szene gesetzt. So umgeht er das Grundproblem aller Parodien, die gern zur albernen Nummernrevue verflachen, und bietet zudem den richtigen Rahmen für den speziellen Humor von Atkinson. Der gibt virtuos den ungeschickten Spießer in uns allen, der in brenzligen Situationen das falsch macht, was auch wir falsch machen würden. Natürlich ist er eine Spur peinlicher, rücksichtsloser und hinterhältiger als wir.

Weit entfernt vom platten Comedy-Gedöns, arbeitet der Brite auf angenehm altmodische Weise seine Gags akribisch aus, bis alles wie federleicht hingeworfen wirkt. Gleich allen großen Komikern beherrscht Atkinson die seltene Kunst, das Publikum mit einzubeziehen, indem er es subtil auf die Gags vorbereitet. Und selbstverständlich hat er seinen Körper und sein Gesicht unfassbar gut unter Kontrolle. Atkinsons Mimik etwa, nachdem Johnny English bemerkt, dass er gerade mit viel Aufwand das falsche Gebäude gestürmt hat, ist schlicht unnachahmlich. Selbst wenn er in die Tiefen des Fäkalhumors hinabsteigt, tut er es mit der grotesk distanzierten Haltung eines Mannes, der lieber sterben würde, als einen Fehler zuzugeben.

(In München: Marmorhaus, Maxx, Royal, Gloria, Karlstor, Münchner Freiheit, Cadillac, Autokino, Sendlinger Tor, Cincinnati, Gabriel, Cinema i.O., Museum i.O.)

"Johnny English"

mit Rowan Atkinson, John

Malkovich

Regie: Peter Howitt

Sehenswert

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