Die Betrüger Grimm

- Kulturpessimisten könnten sich bestätigt fühlen: ein Film über die Gebrüder Grimm, der auch in Deutschland unter dem Titel "Brothers Grimm" läuft - und die Handlung hat nicht das Geringste mit dem Leben der Grimms zu tun. Aber es wäre engstirnig, Terry Gilliams Streich unter diesem Aspekt zu sehen. Das Ex-Monty-Python-Mitglied hat einfach nur beschlossen, ein Märchen über Märchenerzähler zu erzählen.

Das ist schließlich das, was der Fabulierer Gilliam am besten kann: unberührt von der vermeintlichen Wirklichkeit seine eigene Realität zu erfinden. So nutzt er also das Märchen-Repertoire der Grimms, um ein surreales Epos über ein uraltes Problem zu schaffen, in dem die Schöpfer die Kontrolle über ihre Kreationen verlieren.

Jacob (Heath Ledger) und Wilhelm (Matt Damon) Grimm sind bei Gilliam keine beflissenen Kulturwissenschaftler, sondern kleine Trickbetrüger, die über die Dörfer des Landes ziehen und den Leuten mit erfundenen Geistergeschichten Angst einjagen, um gegen entsprechendes Entgelt diese erfundenen Schreckgestalten zu vertreiben. Dumm ist nur, dass sich zunehmend Anzeichen für echte Monster und Fantasiegestalten finden.

Die Grimms müssen sich also mit Fabelwesen, verwunschenen Gestalten und allerlei Zauberwerk herumschlagen, was Gilliam nutzt, um unzählige Märchenmotive mehr oder weniger leicht erkennbar in seinen furiosen Bildersturm zu packen. Ihm gelingt es dabei mühelos, seine überdrehte Fabel kurzweilig zu gestalten. Nicht zuletzt ein Verdienst seiner jungen Hauptdarsteller Damon und Ledger, die dem ironischen Mysterienspiel eine Mischung aus heiligem Ernst und augenzwinkernder Lässigkeit verleihen.

Bisweilen ertappt man sich bei dem Gedanken, dass ein bisschen weniger "Wie" und ein klein wenig mehr "Was" dem Film nicht geschadet hätte. Der Verdacht, dass hier mit optischem Zierwerk Löcher im Drehbuch verdeckt werden sollten, ist nicht abwegig. Gilliam macht das natürlich immens geschickt, indem er beispielsweise das berühmte Märchen-Bild des geküssten Frosches zur einer Art Sketch variiert, in dem Matt Damon an einer Kröte leckt, aber keine schöne Prinzessin als Belohnung mit nach Hause nehmen darf. Eine fröhliche Kinderei zwar, aber für die Handlung nicht relevant. Und so gibt es viele Augenblicke, die man einzeln genießt, die aber im Grunde doch nur dazu dienen, Zucker in die Augen zu streuen.

Am auffallendsten wird das Fehlen einer echten Geschichte immer dann, wenn die böse Spiegelkönigin (Monica Bellucci) ins Spiel kommt. In ihrer seelenlosen Schönheit wirkt Bellucci geradezu furchterregend authentisch. Bloß ihre Motivation wird nie ganz plausibel erklärt, und man ahnt, dass Gilliam auch deswegen so lustvoll im Irrationalen schwelgt, weil ihm das erspart, offene Fragen nachvollziehbar beantworten zu müssen. Aber er macht das Beste daraus. Sehenswert ist das allemal.

"Brothers Grimm"

mit Heath Ledger, Matt Damon

Regie: Terry Gilliam

Sehenswert

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