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Der berühmteste Moses der Filmgeschichte: Charlton Heston in Cecil B. DeMilles „Die zehn Gebote“.

Spurensuche in der Filmgeschichte

Die Bibel – ein Drehbuch

München - An Weihnachten startet „Exodus“ in den Kinos. Ridley Scotts Interpretation der Geschichte von Moses steht in einer langen Tradition, denn Regisseure und Produzenten haben die Bibel regelmäßig als Drehbuch genutzt.

Wir sind in der Filmgeschichte auf Spurensuche gegangen.

Gottes Ansage war eindeutig. Über den Propheten Moses ließ er klarstellen, dass es neben ihm keine anderen Götter gebe, und dass die Menschen es hübsch bleiben lassen sollten, sich ein Bild von ihm zu machen. Doch die Menschen haben sich nur sehr bedingt daran gehalten. Und seit der Erfindung des Kinos gibt es kein Halten mehr: Einige der aufwändigsten Filme aller Zeiten erzählen Geschichten aus der Bibel, manch einer wollte sogar das gesamte Buch der Bücher auf Zelluloid bannen. Die namhaftesten Regisseure wurden aufgeboten, Tausende von Komparsen versammelt und gewaltige Studiobauten hingeklotzt. Götzendienst streng genommen – aber welcher Produzent kann schon widerstehen, wenn es darum geht, die größte Geschichte aller Zeiten ins Kino zu bringen? Das Repertoire ist auch allzu verführerisch: Es gibt Liebesgeschichten, Heldensagen, Katastrophen, Bösewichte, Kriege und Wunder. Aktuell ist es Ridley Scott, der seine bildgewaltige und mitunter ziemlich actionlastige Version der Geschichte von Moses zeigt.

Wenig überraschend ist Moses eine jener biblischen Gestalten, die Filmemacher schon immer magisch angezogen haben. Ein Mann mit Identitätsproblemen; einer, der kein Held sein möchte, aber nach vielen Prüfungen doch einer wird. Der dabei aber immer ahnt, dass er Opfer bringt, die seine Gefolgschaft nicht zu würdigen weiß. Der berühmteste Moses war Charlton Heston in „Die zehn Gebote“. Der komplett größenwahnsinnige Cecil B. DeMille hatte 1954 teilweise an Originalschauplätzen auf der Sinai-Halbinsel gedreht und mitunter um die 15 000 Menschen und ebenso viele Tiere vor die Kamera gekarrt. Seinen Film monumental zu nennen, ist fast untertrieben. Allein für die legendäre Szene, in der Moses das Rote Meer teilt, wurde eine Art gewaltiger Swimmingpool mit einem Volumen von 300 000 Litern gebaut. DeMille erlitt während der Dreharbeiten einen Herzinfarkt, arbeitete aber manisch weiter. Zudem hält sich das Gerücht, dass Hauptdarsteller Heston seinen Zorn nicht immer habe spielen müssen. Aber als der Film im Jahr 1956 schließlich anlief, erwies er sich als eine der erfolgreichsten Bibelverfilmungen überhaupt.

Nicht immer lohnte sich der Aufwand. „Cassablanca“-Regisseur Michael Curtiz drehte Anfang der Zwanzigerjahre – noch als Michael Kertész – mit „Sodom und Gomorrha“ den bis heute aufwändigsten Film der österreichischen Kinogeschichte. Über drei Jahre zog sich der Dreh, Tausende Handwerker mussten Kulissen zimmern, es gab spektakuläre Unfälle und sogar Tote. Von der ursprünglich dreistündigen Fassung sind nur noch 98 Minuten erhalten.

Im Jahr 1966 machte sich John Huston daran, die Schöpfungsgeschichte einfach mal komplett zu erzählen: „Die Bibel“ begann buchstäblich bei Adam und Eva und endete bei Abraham. Besonders subtil ging es dabei nicht zu. Das war im Grunde das Problem der meisten Bibelfilme. Um die Fülle des Stoffs zu bewältigen und niemanden zu verärgern, wurde meist einfach brav nacherzählt: „König der Könige“ (1960) oder „Die größte Geschichte aller Zeiten“ (1965) stehen exemplarisch dafür. Franco Zefirelli gab sich 1977 bei „Jesus von Nazareth“ zwar Mühe, blieb letzten Endes aber doch die meiste Zeit bei der weihevollen Umsetzung der Lebensgeschichte Jesu. Die durchaus widersprüchliche Figur des Messias wurde nicht tiefer ausgeleuchtet.

Kein Wunder, dass es den anarchischen Monty Pythons in den Fingern juckte, sich über Klischees und oft platte Darstellungen lustig zu machen. In „Das Leben des Brian“ (1979) karikierten sie das hohle Pathos vieler Bibelverfilmungen und nahmen sich die Freiheit, darauf hinzuweisen, dass es eine komplizierte Sache ist, herauszufinden, was Gott genau von uns will, da er ja nie direkt mit uns kommuniziert.

Völlig spaßbefreit ging dagegen 1988 der Katholik Martin Scorsese die Sache in „Die letzte Versuchung Christi“ an. Sein von Selbstzweifeln und fleischlichen Gelüsten gequälter Jesus sorgte für heftige Kontroversen. In Paris meinten besonders fromme Christen, einen Brandsatz in ein Kino werfen zu müssen. Ein Mensch kam dabei ums Leben. Schon 1964 hatte Pier Paolo Pasolini mit „Das 1. Evangelium – Matthäus“ für Aufsehen gesorgt. Jesus wurde als kompromissloser Streiter für die Armen und Entrechteten gezeigt, der sich unerschrocken gegen ein dekadentes Establishment stellt. Heute gilt der Film als eine der besten Bibeladaptionen aller Zeiten.

Die erfolgreichste freilich war eine, die sich fast sklavisch an die Worte der Bibel hielt. „Die letzte Passion Christi“ machte 2004 Furore. Mel Gibson zeigte die Leiden des Erlösers so drastisch, dass viele Zuschauer entsetzt protestierten. Aber wer nochmal nachlas im Neuen Testament konnte feststellen: Das steht dort so drin. Blut ist ein zentrales Motiv in den Evangelien. Gibson mag ein manischer Irrer sein, aber sein Film nahm die Geschichte, die er erzählte, sehr ernst. Und das lässt sich nicht über alle Regisseure sagen, die sich an Bibelverfilmungen versucht haben.

Zoran Gojic

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