Biedermann als Folterknecht

- Mitten im australischen Nationalpark Wolf Creek haben Ben, Liz und Kristy eine Autopanne; auch ihre Uhren sind stehen geblieben - alle auf einmal. Doch da naht auch schon die Rettung: Ein schrulliger alter Mann schleppt sie ab. Morgen früh wird er den Wagen reparieren und sie fahren lassen, sagt er . . .

Der völlige Ausfall aller technischen Geräte in der Nähe eines Meteoritenkraters hätte die Reisenden eigentlich warnen müssen; doch sie fragen nicht lange, warum der Wagen des Fremden an solch einem Ort noch fährt, sondern sie vertrauen ihm blind - um am nächsten Morgen in einem Albtraum zu erwachen.

Der australische Regisseur Greg McLean orientierte sich in seinem bemerkenswerten Erstling an einer Reihe von Serienkillern. Aus diesen Vorbildern machte er die Gestalt des Mick Taylor, die der australische Schauspiel-Veteran John Jarratt übernahm. Wenn man von seinem starken Slang absieht, hat er in dieser Rolle eine ziemlich große Ähnlichkeiten mit John Wayne. Er spricht sehr sicher, sehr wenig, sehr bestimmt, und er bewegt sich ebenso graziös wie der bekannte Westernheld - und doch spielt er nicht den Guten, sondern das Monster.

Der Film zeigt ihn als einen sadistischen Mörder in der Maske eines gemütlichen Biedermanns. In ruhigem Tonfall, als säße er am Lagerfeuer, plaudert er mit seinen gefesselten Opfern und quält diese scheinbar ganz nebenbei bestialisch und erfindungsreich zu Tode, um dann wieder spurlos in der Weite der australischen Wüstenlandschaft zu verschwinden.

Der Regisseur setzt auf Semidokumentarismus. Dazu passt der Einsatz der Handkamera. Diese erzeugt eine Art Film im Film und den Blick des teuflischen Beobachters, der seine Opfer schon lange vor der Tat aussucht. Durch die Allgegenwart des Kameramannes gewinnt der Kriminalfilm einen Hang zum Übersinnlichen. Die Handlung läuft doppelgleisig, nichts muss, doch alles kann über die platte Realität hinausgehen. Ein schmales Budget ist eben kein Hindernis für einen wirklich gut gemachten Horrorfilm. (Ab morgen in München: Mathäser.)

"Wolf Creek"

mit Cassandra Magrath, Kestie Morassi, John Jarratt

Regie: Greg McLean

Sehenswert

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