Bild schlägt Botschaft

- "Obstruction" bedeutet Hemmung oder Hindernis. Und selten wurde so deutlich wie bei dieser wunderbaren Gemeinschaftsarbeit zweier Dänen, dass Hindernisse und Beschränkungen das Fruchtbarste fürs Kino sein können. 1967 hat Jørgen Leth den Kurzfilm "Der perfekte Mensch" gedreht, ein Lieblingsfilm Lars von Triers. Dieser schlug Leth nun einen diabolischen Pakt vor: Leth soll von seinem Film fünf Remakes drehen, nach von Triers Vorgaben, "Dogmen" sozusagen.

<P>Herausgekommen sind vier unterschiedliche Variationen - und der Film "The Five Obstructions" selbst, der das Projekt in seiner Entwicklung von den ersten Anfängen an beschreibt. Ein raffiniertes Spiel über das Filmemachen, so vergnüglich wie herausfordernd: Man sieht immer wieder Ausschnitte aus dem Original, dazwischen die vier Remakes, strukturiert wird das Ganze durch Streitgespräche der beiden Regisseure.<BR><BR>Im ersten Kurzfilm wird Leth gezwungen, alle halbe Sekunden zu schneiden. "Das ist total krank", schimpft er. Doch bald fasst er Mut. Es ist lustig und sehr aufschlussreich zu beobachten, wie sich Leth bei allem Respekt gegen von Trier zur Wehr setzt und seine künstlerische Autonomie verteidigt. Die Folge ist ein hochexplosiver Kampf um Selbstbehauptung und Anerkennung, eine Herr-Knecht-Dialektik, geführt mit den Mitteln des Films.<BR><BR>Das Ergebnis "The Five Obstructions" ist damit nicht nur brillantes Nachdenken über das Kino, sondern auch eine exemplarische Auseinandersetzung zwischen unabhängigem Filmautor und Produzent (als der Lars von Trier hier agiert). Für den zweiten Film muss Leth ins Armenviertel von Bombay. Dort filmt er sich selbst, im Smoking, wie er in einem Elendsviertel Lachs isst, Chablis trinkt und dabei begafft wird. Doch die Entlarvung des distanzierten Beobachterstandpunkts, die von Trier beabsichtigte, wird gebrochen durch die Faszination, mit der die Slumbewohner auf die Szenerie blicken: Bild schlägt Botschaft und Kunst Moral, jedenfalls im Kino.<BR><BR>"Das ist ein viel besserer Film, als ich verlangt hatte", ist von Triers Reaktion, "aber ich wollte den anderen. Du versuchst immer, zu gut zu sein." Auf diese Weise, indem Leth den Spieß umdreht und Paroli bietet, erfährt man viel über dessen Arbeitsweise, auch Eitelkeit und Sadismus werden deutlich. "Ich hasse Cartoons!" Da sind sich beide einig. Darum soll Leth als nächstes einen Cartoon drehen - und heraus kommt zu aller Überraschung das schönste Remake der vier. Irgendwann sprechen beide über den dänischen Fußballstar Michael Laudrup, über den Leth eine Dokumentation gedreht hat. Der, meint Leth, spiele zu elegant, um sich durch ein Foul je aufhalten zu lassen. Und auch "The Five Obstructions", einer der besten Filme, die von Trier je gemacht hat, ist das elegante Duell zwischen einem genialen Schönspieler und einem brillanten Abwehrrecken, aufregend und voller Witz. </P><P>(In München: Isabella.)<BR><BR>"The Five Obstructions"<BR>mit Alexandra Vandernoot, Patrick Bauchau<BR>Regie: Jørgen Leth, Lars von Trier<BR>Hervorragend </P>

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