Rein optisch wirkt Miles Teller mit seinem Milchbubi-Gesicht nicht wie ein „Tasmanischer Teufel“. So nannten Fans Vinny Pazienza, den Teller aber umso überzeugender spielt.

Boxerfilm 

„Bleed for this“: Gegen den Winterblues

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Die Verhandlungen über den nächsten Kampf finden im Kinderzimmer des Agenten statt. Da sitzen sie, die Männer, auf Mini-Stühlchen am Puppentisch, von unten aus Zwergenperspektive gefilmt von Kameramann Larkin Seiple.

Und tatsächlich kommen sie einem eher vor wie kleine Jungs als wie gestandene Männer. Besonders einer: Vinny Pazienza (Miles Teller). Er will boxen. Um alles in der Welt. Mit einer kindlichen Begeisterung für den Sport – und keinem Vernunft-geleiteten Blick auf mögliche Konsequenzen.

Es ist eine wahre Geschichte, die Regisseur und Drehbuchautor Ben Younger in „Bleed for this“ erzählt. Obwohl sie so unglaublich klingt. Denn dieser US-amerikanische Boxer mit italienischen Wurzeln hat doch ernsthaft nach einem Genickbruch seine Karriere wieder aufgenommen – und ist erneut in den Ring gestiegen.

Dass ausgerechnet Teller den Part des wegen seines aggressiven Boxstils auch „Tasmanischer Teufel“ genannten Sportlers übernimmt, überrascht. Der exzellente Schauspieler („Whiplash“) wirkt mit seinem Milchbubi-Gesicht nicht besonders teuflisch. Doch lässt Teller alias Pazienza beim öffentlichen Wiegen vor dem nächsten Wettkampf seinen Bademantel fallen, kommt ein imposant durchtrainierter Körper in Leoparden-Unterhöschen zum Vorschein. Sieben Monate lang plagte sich Teller angeleitet von einem ehemaligen Profiboxer ab. Denn Vinny Pazienzas Biografie ist neben dem Comeback nach dem Unfall in weiterer Weise erstaunlich: Er gewann Weltmeistertitel in drei verschiedenen Gewichtsklassen. Der körperliche Wandel vom Leicht- (bis 60 Kilogramm) zum Supermittelgewicht (bis 76,2 Kilogramm) spiegelt sich in Tellers Körperveränderung wider.

Younger erzählt das zunächst als klassischen Sportfilm. Aufnahmen von Pazienza beim Training, unterlegt von treibenden Rhythmen. Dann die auf Nervenkitzel ausgelegten Kämpfe, wo bis zuletzt offen bleibt, ob er gewinnt. Orchestrale Musik, mitfiebernde Zuschauer. Im Kino nichts Neues.

Interessant wird es erst ab dem Moment, in dem er den Genickbruch erleidet. Und alles tut, um zurückzufinden. Das ist mitunter kaum zu ertragen. Die Schmerzen, die er empfindet, bringt Teller so überzeugend über, dass man als Zuschauer manches Mal selbst mit verzerrtem Gesicht zusammenzuckt. Starke Nerven sind gefragt bei diesem Plädoyer für Durchhaltevermögen, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Am Ende erzählt der Boxer in einem Interview, dass alle gesagt hätten, es sei nicht so leicht, wie er sich das vorstelle. „Sie wollen, dass du aufgibst. Dabei ist es so leicht. Tu’s einfach!“ Ein weiterer Hollywood-Motivator für alle, die im Winterblues gefangen sind also. Auf dass nach dem Schauen der Frühling beginnt, im Herzen und da draußen.

„Bleed for this“

mit Miles Teller

Regie: Ben Younger

Laufzeit: 117 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Schmetterling und Taucherglocke“ mochten.

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