Vom Blitz getroffen, Faden verloren

München - Es ist nicht allein seine Schuld. Schon die literarische Vorlage von "Jugend ohne Jugend", dem neuen Spielfilm Francis Ford Coppolas, krankt an ihrer eigentümlichen Mischung aus Esoterik, Altherrenfantasien und Küchenpsychologie. Mircea Eliade, rumänischer Religionswissenschaftler, verfasste die verwirrende Geschichte um einen Linguistikprofessor, der in der Osternacht 1938 vom Blitz getroffen und zusehends jünger wird.

Schwamm drüber: Regie-Star Francis Ford Coppola meldet sich nach zehn Jahren mit "Jugend ohne Jugend" zurück

Dank eines hilfsbereiten Arztes im Krankenhaus kann er den Nazis entkommen, die ihm das Geheimnis der ewigen Jugend entreißen wollen. Kaum nach Italien geflohen, begegnet er einer jungen Frau, die aussieht wie seine verstorbene große Liebe. Auch das Mädel wird vom Blitz getroffen und reist danach immer wieder anfallsartig in die Vergangenheit, wird dabei allerdings immer älter... Die krause Handlung wabert noch weiter um die Themenkreise Zeit, Alter, Wiedergeburt, Tod, Traum und Wirklichkeit.

Kein Wunder, dass das schiefgehen musste. Es fällt schwer, mittels einer straffen Inszenierung einen roten Faden hineinzuspinnen. Weswegen Coppolas Verfilmung ähnlich krampfig erscheint wie die Anfälle, mit denen sich Veronica (extrem wandlungsfähig: Alexandra Maria Lara) in eine andere geistige Umlaufbahn begibt.

Zehn Jahre währte die Kreativpause des Regie-Altmeisters, der Grandioses wie "Der Pate" oder "Apocalypse Now" geschaffen hat. Diesmal versucht er mit einer abstrusen Lovestory, die Dinge zwischen Leben und Tod auszuloten. Es bleibt beim Versuch. Einem wie Coppola gesteht man Instinkt für den geeigneten Stoff zu. Man darf also annehmen, dass ihm persönlich das metaphysische Geschwurbel Eliades aus irgendeinem Grund zu Herzen ging. Die Wirkung, die der Roman auf den Filmemacher ausübte, bleibt dem Zuschauer hingegen verschlossen.

Großartige Darsteller wie Tim Roth als vom Blitz Getroffener oder Bruno Ganz als Arzt spielen vergebens gegen schwerfällige Dialoge an. Zu selten blitzt in der sehr ansprechenden Kameraarbeit Coppolas Genie auf. Da fallen Bilder aus dem Rahmen, stehen schief oder auf dem Kopf. Aber auch hier fehlt dem Ex-Meister des Weglassens das rechte Maß. Schwamm drüber. (In München: Monopol-Kinos, Forum-Kinos.)

"Jugend ohne Jugend" mit Alexandra Maria Lara, Bruno Ganz Regie: Francis Ford Coppola

Annehmbar: *** von *****

 Karriere-Phänomen

Erfolg ruft Neider auf den Plan. Angesichts der phänomenalen Karriere, die die 1978 in Bukarest geborene Alexandra Maria Lara hingelegt hat, sind schnell Lästerstimmen laut geworden. Mag sein, dass Filme wie Helmut Dietls Flop "Vom Suchen und Finden der Liebe" ihr nicht zum Vorteil gereichten. Der kürzlich im Kino zu besichtigende "Control" von Anton Corbijn hingegen dürfte zu Laras Lieblingswerken zählen. Sie spielte zwar nur ein Groupie, aber immerhin lernte sie am Set Hauptdarsteller Sam Riley kennen und lieben.

ulf

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