Blut, Schweiß und Tränen

- Die Geschichte funktioniert immer: Der unterschätzte Außenseiter schwingt sich zu einer unglaublichen Erfolgsserie auf. Besonders gut passt dieses Modell natürlich zum Sport, und zu einem Zweikampf wie dem Boxen selbstverständlich am allerbesten. Ähnlich wie in "Wie ein wilder Stier", "Rocky" oder kürzlich in "Million Dollar Baby" erzählt Regisseur Ron Howard in "Das Comeback" eben genau diese altbekannte Story. Ganz klassisch und schnörkellos, so uneitel und ohne technische Mätzchen, als hätten die letzten 15 Jahre Filmtrick-Entwicklung gar nicht stattgefunden.

Aber womöglich wollte Howard nur eine Legende mit angemessenen Mitteln wieder aufleben lassen. Denn James Braddock, einen einfachen irischstämmigen Mann, hat es wirklich gegeben. 1928 hofft er auf den Weltmeistertitel im Schwergewicht. Mit Frau und Kindern führt er ein Leben auf der Überholspur, sein Ruhm ist groß, sein Können auch. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihm, nach der großen Depression haben die Braddocks alles verloren. Der Titel und die Karriere sind ebenfalls futsch, der Held vergangener Tage verdingt sich als Dockarbeiter im Hafen von New York. Bis ihm sein Ex-Manager eine neue Chance gibt . . .

Braddocks märchenhaftes Comeback galt in einer Zeit, in der Millionen von Amerikanern von einem Tag auf den anderen alles verloren hatten, als Symbol der Hoffnung. Der kleine Mann, der sich nicht unterkriegen lässt von allen Schlägen des Lebens - die Metapher des Boxrings ist da schon fast überdeutlich.

Howard spart in seiner geschickten Inszenierung nicht an Emotionen. Er lässt Hauptdarsteller Russel Crowe sämtliche Höhen und Tiefen durchleben, die das irdische Dasein zu bieten hat. Neben den elegant fotografierten und mitreißenden Kampfszenen gibt es also jede Menge Blut, Schweiß und Tränen. Es ist Howards behutsamer Regie und Crowes facettenreichem Spiel zu verdanken, dass "Das Comeback" keine Sportler-Schnulze wurde, sondern ein ergreifendes Drama eines Mannes, einer Familie und eines ganzen Landes.

(In München: Mathäser, Maxx, Münchner Freiheit, Neues Rottmann, Sendlinger Tor, Autokino, Cinema i.O., Museum i.O.)

"Das Comeback"

mit Russell Crowe, Renée Zellweger

Regie: Ron Howard

Sehenswert

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“

Kommentare