"Brokeback Mountain" bester "Indie"-Film

- Los Angeles - Der Schwulen-Western "Brokeback Mountain" hat seinen Siegeszug bis kurz vor der Oscar-Gala fortgesetzt. Die Liebesgeschichte zweier Cowboys erhielt am Wochenende in Los Angeles den Independent Spirit Award für den besten Film. Die so genannten "Indie"-Preise sind Hollywoods Alternativauszeichnungen für unabhängige Filmproduktionen, die nicht mehr als 15 Millionen Dollar kosten.

Normalerweise dominieren dabei ganz andere Filme als bei den Oscars, doch nicht in diesem Jahr: Auch für die Oscars sind überwiegend kleine, gesellschaftskritische Produktionen nominiert. Weitere "Indie"-Preise gingen an Philip Seymour Hoffman für seine Rolle als exzentrischer US-Schriftsteller Truman Capote und an Felicity Huffman für ihre Darstellung eines transsexuellen Mannes in "Transamerica". Als beste ausländische Produktion wurde der palästinensische Film  "Paradise Now" über zwei Selbstmordattentäter prämiert. Er ist von den Berliner Produzenten Roman Paul und Gerhard Meixner realisiert worden.

Eine Gala anderer Art war die Verleihung der Goldenen Himbeeren für die schlechtesten Filme. Dabei setzte sich Tom Cruise (43) in der neu eingeführten Kategorie "Nervendste Zielscheibe der Klatschpresse" durch. Mit seiner zur Schau gestellten Begeisterung für seine Freundin Katie Holmes habe er die Auszeichnung mehr als verdient, sagte John Wilson, der Vorsitzende der Stiftung, die den Spottpreis vergibt. Paris Hilton sicherte sich die Himbeere als "Schlechteste Nebendarstellerin" für ihren Auftritt in dem Horrorfilm "House of Wax". Nicole Kidman und Will Ferrell wurden als schlechtestes Leinwandpaar für die Komödie "Verliebt in eine Hexe" prämiert. Die Abräumerin des Abends aber war Jenny McCarthy: Das Ex-Playmate erhielt gleich drei "Razzies" (Himbeeren) - als Hauptdarstellerin, Drehbuchautorin und Produzentin der Komödie "Dirty Love", die auch als schlechtester Film des vergangenen Jahres gewürdigt wurde.

Beim traditionellen deutschen Empfang vor der Oscar-Gala in der Nacht zum Montag gab es unterdessen viel zu feiern. "Es läuft gigantisch", sagte Michael Ohoven (31), der mit dem von ihm produzierten Film "Capote" gleich drei "Indie"-Preise einheimsen konnte. Ohoven, der seit fünf Jahren in Los Angeles lebt, kann sich durchaus vorstellen, auch wieder in seiner Heimat zu arbeiten: "Ich würde wahnsinnig gern eine große internationale Produktion nach Deutschland holen", sagte er.

Der Filmproduzent und sechsfache Oscar-Preisträger Arthur Cohn (67, "Die Kinder des Monsieur Mathieu") brach in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" eine Lanze für die amerikanische Filmakademie. Die Europäer beurteilten die Akademie ganz falsch, sagte der Schweizer. "Die glauben, das sei eine Gesellschaft von 5732 Filmemachern, die einmal im Jahr einen Lottozettel ins Haus bekommen, wo sie ein paar Filme ankreuzen. Das ist absolut Nonsens." Vielmehr handele es sich um rührige Leute, die etwas bewegen wollten. "Wenn die Mitglieder glauben, dass dank ihrer Stimmen ein kleiner Film Beachtung finden könnte, dann nehmen sie das ernst", sagte Cohn.

Tom Hanks (49), Vizepräsident der Akademie, gab den diesjährigen Oscar-Anwärtern Tipps für ihre Dankesrede. Alle 150 Nominierten erhielten ein Video mit Ratschlägen des zweifachen Oscar-Gewinners. Seine erste Empfehlung lautet, schnell auf die Bühne zu kommen, "anstatt erst jede Person im Umkreis von zehn Sitzreihen zu küssen". Auf keinen Fall sollte der Gewinner dann von einer langen Liste die Namen all derer ablesen, die ihm irgendwann einmal geholfen haben. Stattdessen rät Hanks den Preisträgern, sich durch "Witz, Flair, Kreativität - oder zumindest durch Kürze" auszuzeichnen.

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