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Der Almöhi und seine kesse Enkelin: Bruno Ganz mit Kinderschauspielerin Anuk Steffen, die die Heidi spielt.

Gespräch zum Kinostart 

Bruno Ganz: „Heidi ist ein Held“

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München - Bruno Ganz über das Remake des Filmklassikers von 1952, Dreharbeiten mit Kindern und seine Scheu vor den Bergen.

Bruno Ganz muss erst einmal das Gemälde anschauen, das da im Hotelzimmer hängt. Was darauf zu sehen ist, hat ihn schon die ganze Zeit über beim Interview davor beschäftigt. „Ich dachte, das sei ein Gesicht.“ In Wahrheit ist es ein Doppelkissen. Er lacht. „Geben Sie mir eine Minute!“ Schnell trinkt er seinen Kaffee, bevor es losgehen kann. „Bitte!“ Ganz, 74, ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Theater- und Filmschauspieler. Nun spielt er den Almöhi in der neuen „Heidi“-Verfilmung von Regisseur Alain Gsponer. Im Gespräch erzählt er, warum er keine Sekunde zögerte, den Part des Eigenbrötlers zu übernehmen.

Die kleine Anuk, die die Heidi spielt, entspricht mit ihren braunen Locken so gar nicht dem Klischee. Wie sehr waren Sie überrascht, den Wildfang als Spielpartnerin zu haben?

Ja, unser Heidi-Bild ist tatsächlich schwer geprägt von dem Film von 1952. In der Schweiz wird das Produkt Heidi sehr beworben, es wird damit manipuliert. Es gibt Käse und alle möglichen Sachen, die Heidi heißen, und darauf ist dann ein Bild von einem fröhlichen Mädchen mit Zöpfchen, die wegfliegen und so weiter. Aber ich hatte kein Problem damit, dass Anuk anders aussieht. Im Gegenteil: Anuk sieht richtig aus.

Sie haben recht schnell für die Rolle zugesagt. Dabei hatten die Macher etwas Angst, Sie überhaupt zu fragen. Wieso wollten Sie den Almöhi spielen?

Da ging es nicht darum, ob ich die Rolle faszinierend finde, sondern mir wurde relativ schnell klar: Ich bin Schweizer, ich habe das richtige Alter – da kann ich nicht nein sagen. Das wäre ein Affront gegen meine Nation, also gegen meine Heimat gewesen.

Was kann Heidi von ihrem Opa lernen?

Ach, ich weiß nicht. (Lacht.) Das Gefühl... Die, von der alle lernen wollen, ist doch die jetzt geborene Generation, die mit diesen Geräten gut umgehen kann, die sogenannten Digital Natives – und nicht mehr umgekehrt. Doch zum Opa, kurz gesagt: sehr raue Schale, schmelzender Kern. Er besinnt sich auf seine Pflichten. Das ist eine Blutsverwandte, ein schutzloses Kind, um das er sich kümmern muss. Das ist schön, dass er das tut.

Letztlich geht’s auch um den Konflikt zwischen Stadt/ Land, Moderne/ Tradition. Sehnen Sie sich manchmal weg von den Digital Natives – hinein in eine heile Bergwelt?

Ein Mann mit Humor: Bruno Ganz, ohne Zauselbart, im Gespräch mit Feuilleton-Redakteurin Katja Kraft.

Nein, nein, nein! Ich hab’ mit der Bergwelt nie viel zu tun gehabt. Ich weiß, das Gegenteil erwartet man von uns Schweizern. Ich kann mit der S-Bahn vom Zürcher Hauptbahnhof innerhalb von einer halben Stunde in die Glarner Alpen fahren. Aber wenn ich in Zürich spazieren gehe, dann sehe ich diese Dinger ziemlich weit entfernt. Doch das mit der Stadt, das ist ein toller Trick von der Autorin Johanna Spyri. Dieses Kind, das endlich eine Art Platz auf der Welt gefunden hat, da oben in den Bergen, verbunden mit dem ganzen Freiheitsbegriff, den man als Zuschauer reinprojiziert; sie hat die Ziegen, sie hat den Jungen – und aus all dem wird sie in ein ziemlich luxuriöses Ambiente, in eine Stadt verlagert. Nach Deutschland, was ein großes Land ist, von uns aus gesehen, wo die Leute noch richtig Deutsch sprechen, was man von uns nicht behaupten kann. Sie wird sozusagen in eine Art Luxus-Paradies versetzt. Aber sie will nach Hause. Sie will zum Großvater. Das ist bewegend. Das ist treu, das ist rührend, das ist Liebe oder auch Heimweh.

Hatten Sie nie die Befürchtung, dass der neue Film ins Kitschige abdriften könnte?

Doch, natürlich hat man das bei dem Stoff. Der erste Film ist wirklich sehr gut, da gibt’s keinen Kitsch. Und wenn man dann hört: Es ist jetzt Zeit, einen neuen zu machen, weil 60 Jahre vergangen sind, dann sagt man: „Was ist das für eine Begründung?“ Bei Remakes habe ich immer Angst, denn das basiert auf einer erfolgreichen ersten Sache, und natürlich besteht die Sorge, dass die zweite einfach schwächer ist. Oft ist es auch so. Aber in diesem Falle hatten sie etwas anderes vor. Es macht weder den Heidi-Mythos, wenn es denn schon einer ist, kaputt, noch beschädigt es den ersten Film. Es ist eine gute Arbeit.

Wieso ist der Stoff immer noch nicht überholt, wieso wollen wir Heidi heute noch sehen?

Fragen Sie die Kids! Ich glaube, wegen dieser Vorstellung von Autonomie. Das Kind ist da oben, die kann schlafen gehen beim Opa, und der sorgt dafür, dass sie zu Essen bekommt, aber sonst ist sie mit dem Jungen und einer Herde Ziegen unterwegs – das kann kein Großstadtkind. Das ist großartig! Ich meine, bitte sehr! Erstrebenswert. In dem Alter finden das viele Kinder grandios. Heidi ist ein tolles Kind. Heidi ist ein Held.

Wie war es denn, mit den Kindern zu arbeiten?

Ich musste mir nur von Anfang an sagen: Du hast es hier mit Kindern zu tun, die Kinder spielen – keinerlei Profi-Ratschläge! Tu das alles weg. Nimm das wahr, was da ist. Verhalte dich ruhig, die Regie kümmert sich um den Rest. Das ist es, mehr nicht.

Und die Kinder selbst – hatten keine Berührungsängste, mit einem so großen Schauspieler?

Nein, ich war aber auch von Anfang an sehr freundlich zu ihnen. (Lacht.) Die haben zum Teil erst später von den Eltern erfahren: Das ist ein berühmter Schauspieler! Doch das hat die nicht interessiert. Was sollen die auch damit? Und mich als Person fanden sie nett und gutartig. (Lacht.)

Die Dreharbeiten waren also genauso schön wie der Film selbst?

Nee, das Wetter war nicht gut, und wenn es schneit, dann ist sofort alles Matsch da oben. Und es war kalt. Das Kind tat mir so leid, weil es so leicht angezogen war. Und dann schon der Transport da rauf zu dieser Hütte! Eine Zeitlang geht das mit Jeeps, bis man etwa 1000 Höhenmeter überwunden hat. Dann muss man 20 Minuten zu Fuß weitergehen. Und das ist steil! Oben am Berg ist einfach alles doppelt anstrengend.

Aber Sie als Schweizer sind doch bestimmt eine Bergziege, die da mir nichts dir nichts oben ist?

Wo Sie das sagen, sage ich Ihnen: Ich habe jetzt diesen Ziegen eine Weile lang zugeguckt, wie die ihr Fressen suchen. Die sind von einer Behändigkeit, das ist wirklich... also, man fasst das nicht. Die haben kleine Hufe, aber jagen über das glatte Gestein. Mit dem Kopf gehen sie hoch und reißen die Tannentriebe runter, das ist ein Erlebnis!

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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