Brunos Kollegen

- Die letzten aufrechten Anarchisten Hollywoods haben sich in den Zeichentrickstudios verschanzt. Schon seit Jahren sind in den großen Animationsfilmen widerborstige und mitunter kämpferische Zwischentöne zu vernehmen, die sich eindeutig an die erwachsenen Zuschauer wenden. Das ist auch bei "Ab durch die Hecke" so, der neuen Arbeit aus der Werkstatt jenes Teams, das schon für den Welterfolg "Shrek" verantwortlich war.

Eine Gruppe Tiere erwacht aus dem Winterschlaf und erkennt die Welt nicht mehr. In ihrem Revier ist in der Zwischenzeit eine riesige Neubausiedlung der Menschen entstanden. Zwar wollen die dort im Grünen leben, aber auf gar keinen Fall etwas mit der Natur und ihren Bewohnern zu tun haben. Deswegen errichten sie eine gigantische Hecke, die ungebetene Gäste draußen halten soll. Die derart aus ihrem eigenen Lebensraum ausgeschlossenen Tiere reagieren zunächst ratlos, aber bald gehen sie zum Gegenangriff über und tun in der Siedlung, was sie in freier Natur auch schon getan haben:

Menschen sind laute, paranoide Spinner

Futter suchen. Und da sind sie bei den Menschen natürlich im Paradies. Berge von Essen türmen sich alleine im Müll, aber nicht einmal den wollen die Menschen mit den Tieren teilen: Es kommt zum erbarmungslosen Verteilungskampf. Und die Sympathien des Films liegen eindeutig auf Seiten der Viecher.

Derart unsympathisch, gehässig und dabei hellsichtig ist die westliche Wohlstandsgesellschaft selten in einem Film gezeigt worden. Menschen, das sind laute, paranoide Spinner, die nicht wie andere Lebewesen essen, um zu leben, sondern leben, um zu essen, wie ein Waschbär einmal halb ungläubig, halb bewundernd bemerkt. Eine subversive und boshafte Satire auf eine völlig sterile Zivilisation, die panische Angst vor allem Tierischen hat, was nicht verpackt aus dem Supermarkt kommt. Man könnte "Ab durch die Hecke" für völlig überzogen und ungerecht halten, aber dann erinnert man sich an das Schicksal des Bären Bruno, der ja auch nichts anderes machte, als nach Futter zu suchen, und deswegen zum Problem wurde.

Die große Kunst der Macher besteht darin, ihre Parabel nicht zu überfrachten und sie auch für Kinder als temporeiches Unterhaltungsstück funktionieren zu lassen. Mit gewohnt niedlichen Charakteren und grotesken Einfällen bereitet der Film gekonnt Freude und nutzt den Spaß, um wildeste anarchische Fantasien auszuleben. Schön, dass so etwas als Familienfilm durchgeht. (Ab morgen in München: Mathäser, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Leopold, Cadillac, Rio, Autokino, Cinema i.O., Sendlinger Tor, Museum, Cincinnati, Kino Solln.)

"Ab durch die Hecke"

Regie: Tim Johnson,

Karey Kirkpatrick

Sehenswert

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