Mit Bügeleisen ins All

- "Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen." So beginnt jede Folge der "Raumpatrouille Orion". Drei Jahre vor der ersten Mondlandung, also 1966, hatte die Serie Premiere im deutschen Fernsehen und entwickelte sich zum Straßenfeger. Die angekündigte Fortsetzung wurde nie gedreht, nun also der "Rücksturz ins Kino": Die alten Folgen wurden dafür zu einer 90-minütigen Spielfilmhandlung zusammengestrickt.

<P>Commander Cliff Allister McLane (Dietmar Schönherr) wird mit seiner Besatzung strafversetzt. Zur Aufsicht wird ihm der weibliche Offizier Leutnant Tamara Jagellovsk vom Galaktischen Sicherheitsdienst (GSD) zugeteilt - nicht zufällig im Zeitalter zwischen Mauerbau und neuer Deutschlandpolitik ein russischer Name. Eva Pflug spielt sie mit sprödem Domina-Charme. Zwischen McLane und Jagellovsk herrscht Kalter Krieg, dann kommt es zeitgemäß zum Wandel durch Annäherung. Nebenbei kämpft die Besatzung gegen "Frogs", die wie Papierflieger aussehen, erfüllt am Ende "Plan BX 17: Rettet die Erde" und tut, wenn auch brachial, einiges für die Völkerverständigung. Um Brüche zu überbrücken, hat man kurze Folgen einer "Sternenschau" im damaligen Design nachgedreht, in der Elke Heidenreich Nachrichten verkündet und dies stets mit "Alles wird galaktisch gut" enden lässt.</P><P>Das Rezept klingt einfach. Zu einfach vielleicht. Die "Raumpatrouille" ist auch in der Kinofassung ein TV-Format geblieben - ein rechter Spannungsbogen will sich nicht ergeben, zu kurzatmig und dabei gleichförmig ist die Dramaturgie, plätschert mit wenig Höhepunkten dahin. Der eigentliche Reiz liegt in der Unschuld der Darstellung. Mit Hilfe von Bügeleisen, einem riesigen Bleistiftspitzer und Dusch-Armaturen, schlichtesten Bildertricks und oft im besten Sinne albernen Einfällen wird eine märchenhafte Zukunft herbeigezaubert, die sich nie ernst nimmt.</P><P>Beim Wiedersehen merkt man, wie gut nach wie vor Schwarzweiß-Formate funktionieren. Was bleibt, ist ein nostalgischer Science-Fiction, der den Geist der Zeit kurz vor der Studentenrevolte atmet. Das Publikum darf 90 Minuten ohne Reue und ohne Schamgefühl auch über nicht mehr ganz zeitgemäße Scherze lachen, so wie beim Familienabend, bei dem Opa alte Urlaubsdias zeigt. Sixties reloaded! (In München: Mathäser, Maxx.)</P><P>"Raumpatrouille Orion - Rücksturz ins Kino"<BR>mit Eva Pflug, Dietmar Schönherr, Elke Heidenreich<BR>Regie: Michael Braun, Theo<BR>Mezger<BR>Sehenswert</P>

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