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„Der Film ist ein riesengroßer Quatsch“

Bullyparade kommt ins Kino: Das große Exklusiv-Interview

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Im großen Interview verraten Michael Bully Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian, wie es zu „Bullyparade – Der Film“ kamund warum ein spezielles Detail aus der Bullyparade fehlt.

Wer über deutsche Comedy spricht, der kommt an diesem Trio kaum vorbei. Michael Bully Herbig (49), Christian Tramitz (62) und Rick Kavanian (46). Mit Der Schuh des Manitu (2001) brachen sie alle Rekorde, bis heute ist die Western-Komödie mit über elf Millionen Zuschauern der erfolgreichste deutsche Kinofilm aller Zeiten. (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 (2004) folgt mit über neun Millionen Zuschauern auf Platz zwei der ewigen Rangliste.

Was mit Rekorden auf der Kinoleinwand endete, begann im kleinen TV-Studio bei der Bullyparade. Kavanian nennt sie seine „künstlerische Ursuppe“, Bully einen „riesigen Sandkasten“. Heuer, zum 20. Geburtstag der Bullyparade, ist das Trio erneut auf der Kino­lein­wand zu sehen. Bullyparade – Der Film (ab 17. August im Kino) vereint die beliebtesten Figuren von damals. Von Winnetou und Old Shatterhand über die Crew des (T)Raumschiffes bis zu Sissi und Franz in Wechseljahre einer Kaiserin. Insgesamt 26 Figuren spielen Bully, Tramitz und Kavanian in Bullyparade – Der Film. Im großen tz-Interview verrät das Trio, wie es zu dem neuen Film kam, wer von ihnen am besten in Frauenkleider passt und warum ein spezielles Detail aus der Bullyparade fehlt.

Beim Interview: beste Laune. 

Hallo Bully, hallo Rick, hallo Christian. Was bedeutet euch die „Bullyparade“, gerade heuer zum 20. Geburtstag?

Rick Kavanian: Für mich ist es so etwas wie eine kreative Ursuppe. Alles, was ich jetzt und wahrscheinlich auch in Zukunft machen werde, ist innerhalb der Bullyparade entstanden – zumindest was die Arbeit vor der Film- und Fernsehkamera bzw. auf der Bühne angeht.

Michael Bully Herbig: Im Grunde war es so etwas wie meine Ersatz-Filmhochschule. Von ProSieben haben wir damals diese einmalige Chance bekommen, es war wie ein riesiger Sandkasten zum Spielen. Wir konnten das machen, worauf wir Lust hatten und letztendlich war es auch der Urknall für all diese Filme, die später folgen sollten.

Christian Tramitz: Ich kann mich nur anschließen. Es war eine riesige Spielwiese. Heute heißt es stattdessen: erste Folge, schlechte Quote, weg damit. Das gab es damals noch nicht.

Mit schlechten Quoten kanntet ihr euch aus. Der Erfolg in den Anfängen war…

Herbig: …sag es ruhig: überschaubar (lacht).

Wie seid ihr damit umgegangen?

Tramitz: Ich wusste das ehrlich gesagt nicht. Ich war so naiv, dass dieser Quotendruck bei mir damals noch überhaupt nicht existierte.

Kavanian: Wir waren aber auch so beschäftigt mit dem Drehen, dass wir keine Zeit hatten, darüber nachzudenken.

Herbig: Dass es über den ganzen Quatsch hinaus auch noch wichtig ist, Zuschauer zu generieren, war uns nicht so richtig klar (lacht). Dass man uns vom Sender nehmen könnte, kam erst, als es um die Verlängerung der Show ging. Ich zeigte dem damaligen Programmdirektor die erste Folge der zweiten Staffel und er sagte: „Das sende ich nicht“ (lacht).

Warum?

Herbig: Er hat kein einziges Mal gelacht. Mir wurde während der Vorstellung der Folge immer übler.

Am Ende wurde es aber doch gesendet.

Tramitz: (zu Herbig) Du hast die Sketche einfach umgestellt und das Ganze noch einmal vorgestellt, oder?

Herbig: Genau das Gleiche. Nur in anderer Reihenfolge.

Tramitz: Und plötzlich fand er es toll (lacht).

Mit dem „Schuh des Manitu“ hat sich alles geändert. Auch die „Bullyparade“ wurde zu einem Selbstläufer.

Kavanian: Stimmt. Die Quote hat sich auf einmal verdoppelt, oder?

Herbig: Ja, verdoppelt…

Tramitz: …aber immer noch niedrig.

Kavanian: Immerhin waren es fast 2,5 Millionen Zuschauer.

Was ist euch nach dem „Schuh des Manitu“ durch den Kopf gegangen?

Herbig: Es hat uns überrumpelt und…

Tramitz: …in dem Moment haben wir eigentlich gar nicht begriffen, was da passiert. Wir haben einfach wie gewohnt weitergemacht.

Herbig: Nicht mal mit dem Feiern sind wir hinterhergekommen. Als wir die drei Millionen Kinobesucher feiern wollten, hatten wir bereits sechs Millionen. Das ging so rasend schnell, dass es kaum zu realisieren war.

Im Raumschiff durchs Weltall: Der Yeti und Sifgi Solo. 

Wann änderte sich das?

Herbig: Bernd Eichinger rief mich nach dem Startwochenende von (T)Raumschiff Surprise an, das noch erfolgreicher war als beim Schuh des Manitu. Er schrie ins Telefon: „DU BIST WAHNSINNIG. Das passiert im Leben wenn überhaupt nie und jetzt machst du es schon wieder!“ Dass ein so gestandener Produzent mich anruft und mich so anschreit – da habe ich realisiert, dass etwas wirklich Besonderes passiert.

Kavanian: Das Tolle ist, dass diese Filme heute fast schon Evergreens sind. Wenn ein Film regelmäßig an Weihnachten läuft und auch neue Generationen ihn mit ihren Augen sehen und dabei Spaß haben, merkt man, dass das etwas von Dauer ist.

Trotz all des Erfolges kam 2002 das Aus für die „Bullyparade“. Warum habt ihr aufgehört?

Herbig: Der Sender war fast ein wenig beleidigt. Nach dem Motto: Jetzt haben wir sie sechs Jahre durchgefüttert und dann hauen sie ab.

Tramitz: Die dachten vermutlich: So ein undankbares Pack (lacht).

Herbig: Aber sie haben es auch verstanden. Es waren sechs Jahre intensivster Arbeit. Wir haben uns immer gesehen, hockten immer aufeinander. Und wir wollten auf dem Höhepunkt aufhören und nicht darauf warten, dass sie uns vom Hof jagen.

15 Jahre später seid ihr wieder da. Wie kam es dazu?

Herbig: Jeder von uns wurde immer wieder gefragt, ob es eine Fortsetzung geben würde. Vor ziemlich genau zwei Jahren trafen wir uns auf einen Espresso und überlegten, ob es Sinn machen würde. Am meisten Lust hatten wir eigentlich auf eine Fortsetzung vom Schuh des Manitu.

Tramitz: Was von der Struktur her auch am einfachsten gewesen wäre. Die Helden reiten wieder, der Klassiker.

Herbig: Eines Morgens unter der Dusche dachte ich mir aber: Warum packen wir nicht alles in einen Film, weil wir auch Lust auf die anderen Rollen hatten.

Wäre eine Fortsetzung vom „Schuh des Manitu“ nicht auch risikoreich gewesen?

Kavanian: Wir hätten uns vergleichbarer gemacht.

Herbig: Genau. Du lässt quasi die Hosen runter. Es würde bestimmt Leute geben, die selbst bei sechs Millionen Kinobesuchern sagen würden: „Ha, der Bully hat nur noch die Hälfte an Zuschauern, den will ja doch keiner mehr sehen.“

Wer brannte am meisten für den Film?

Kavanian: (wie aus der Pistole geschossen) Ich.

Tramitz: Stimmt.

Kavanian: Ich arbeite unheimlich gerne mit den beiden zusammen, mir macht es Spaß, unter Bullys Regie zu drehen. Es ist etwas Besonderes, wenn man die Arbeitszeit mit zwei guten Freunden verbringen kann.

Tramitz: (beugt sich zu Kavanian rüber) Du warst von Anfang an total euphorisch. Liegt aber vielleicht auch daran, dass du der Jüngste von uns dreien bist (lacht).

Herbig: Und an der Aussicht darauf, wieder so einen Quatsch machen zu dürfen.

Die Rückkehr in den Sandkasten sozusagen.

Herbig: Ja, genau.

Kavanian: Der ganze Prozess des Entstehens ist etwas Besonderes. Von der Tasse Espresso über das Schreiben, die Produktionsentwicklung mit Kostümen und Sets und die Möglichkeit, selbst beim Drehen noch frei entscheiden zu können, zu improvisieren oder einfach zu sagen: Das ist Mist. Das sind wir und das hast du bei keiner anderen Produktion.

Seit Jahren ein Team: Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz, hier auf einem Foto aus dem Jahr 2010.

Worauf darf sich denn der Zuschauer bei „Bullyparade – Der Film“ freuen?

Herbig: Es ist ein riesengroßer, herrlicher Quatsch. Man darf nicht mit der Erwartung in den Film gehen…

Tramitz: …das darfst du so doch nicht sagen (lacht).

Herbig: Okay, dann sage ich es anders. Eigentlich ist es auch ein bisschen Geschichtsunterricht.

Tramitz: Ja, so kannst du es sagen.

Herbig: Wir arbeiten den Mauerfall auf, zeigen das Leben um 1865, sowohl in der angehenden USA, gleichzeitig aber auch in Bayern. Es gibt eine Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und einen Blick in die Zukunft, wir wir sie uns vorstellen.

Also ein großer historischer Episodenfilm.

Herbig: Absolut (lacht). Besser hätte ich es nicht sagen können.

Tramitz: Das ist gut. Können wir das so zitieren?

Herbig: Ein historischer Episodenfilm für Jung und Alt.

Ihr spielt insgesamt 26 Charaktere. Auf welchen hat sich jeder von euch am meisten gefreut?

Kavanian: King Klon, alias Jens Maul. Der wohnt einfach in mir drin.

Herbig: Und Rick, wer kann zudem von sich behaupten, dass er 40.000 Klone von sich selbst gespielt hat? Steht so etwas eigentlich schon im Guinness-Buch der Rekorde? Sollten wir mal herausfinden. Ich habe mich am meisten gefreut…

Tramitz: …auf Sissi, oder?

Herbig: Ach komm, hör auf. Nein, auf Winnetou. Auf einem Pferd durch die Wildnis reiten – ein Kindheitstraum.

Tramitz: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. In jeder Rolle denke ich mir: Eigentlich ist die andere besser.

Herbig: Ich finde ja deinen Kaiser Franz einzigartig.

Bully, hattest du nicht auch mal gesagt, dass du gerne einen Realfilm von Sissi drehen würdest, du nur Angst vor einer Kussszene hast?

Herbig: Richtig, aber Christian wollte das immer machen. Und jetzt haben wir es ja auch gemacht (lacht). Um die Kussszene bin ich rumgekommen, aber, so viel darf verraten werden, es gibt eine Bettszene.

Eine Sache fehlt im Film allerdings.

Herbig: Aha. Jetzt kommt’s. Ich weiß es und Christian wird gleich leiden.

„Bully und die Tapete“ fehlt. ­Warum?

Herbig: Ha (lacht)! Ganz genau. Hmm, warum die fehlt?

Tramitz: Weil ich sonst einen Herzinfarkt bekommen hätte.

Herbig: Man muss dazu sagen, dass Christian die Tapete verabscheut. Er hasst Wortspielereien. Witzigerweise kennt er aber die ganzen Texte noch auswendig. Ich hingegen habe die alle vergessen, obwohl ich sie geschrieben habe.

Tramitz: Bestimmte schreckliche Erlebnisse brennen sich eben ins Hirn ein.

Herbig: (stimmt die Tapete an) Lass uns doch ein Auto mieten…

Tramitz: …geht nicht, Dai-hat-su. Dann brach ich mir den Arm und ließ ihn von Mel Gib-son.

Herbig: Herrlich, oder?

Tramitz: Oh Gott. Naja, vielleicht mag ich es ja doch irgendwie.

Herbig: Irgendwann, wenn wir im Altersheim sitzen, dann spiele ich sie dir alle vor.

Tramitz: Das wäre dann ein schöner Tod (alle drei lachen).

Die Tapete ist nicht dabei. Dafür aber wieder die Crew ­­­­vom­ (T)Raumschiff Surprise, die auf dem Planet der Frauen landet. Hat es euch da nicht gepackt in alter „Bullyparaden“-Manier wieder in Frauenkleider zu schlüpfen?

Kavanian: Dieser Drang hält sich dann doch in Grenzen. Deshalb ist in dieser Episode auch der Frauenanteil so hoch.

Herbig: Ich saß mit dem Alfons (Biedermann, Co-Drehbuchautor, Anm. d. Red) zusammen und mir fiel auf, dass der Männeranteil im Film viel zu hoch ist. So kam die Idee für den Planeten der Frauen zustande. Und: Wir hätten nicht mal im Ansatz so sexy ausgesehen.

Wer kann Kleider denn am besten tragen?

Herbig, Tramitz: Rick!

Einstimmig.

Tramitz: Gegenfrage. Wer kann sie am wenigsten tragen? Christian.

Herbig: Wir haben es ein paar Mal mit Christian als Frau probiert. Er ist aber von uns dreien der männlichste Typ und…

Tramitz: …ganz ehrlich? Ich sah am Ende aus – bitte nicht falsch verstehen, ich mag sie sehr – wie eine männliche Form von Lisa Fitz.

Am Ende ist es Bully geworden, der in ein Kleid schlüpfen musste.

Herbig: Ich hatte zu Beginn ein Kleid mit vielen Blümchen, in dem sah ich aber aus wie eine Gardine. Das ging überhaupt nicht. Zwei Wochen vor Drehbeginn bekam ich ein neues Kleid und jetzt mag ich meinen Körper auch wieder.

Tramitz: Bully, ich muss aber auch sagen, dass dein Hut am Ende viel ausgemacht hat.

Herbig: Stimmt, der kaschiert die Stirnfalten (lacht).

Ist „Bullyparade – Der Film“ das letzte Kapitel von euch als Trio?

Kavanian: Was Filmpa­rodien betrifft, schon. Dass wir vielleicht mal wieder was zusammen machen, will ich nicht ausschließen. Ich bin der Erste, der bereit wäre.

Herbig: Dieser Film war die Chance, etwas abzuschließen und auch den Nachfragen nach Fortsetzungen gerecht zu werden. Sollte der Film nicht funktionieren, dann machen wir den Deckel drauf und fertig. Wenn er ein Erfolg wird, dann ist es umso schöner. Mein Leben hängt davon aber nicht ab. Im Grunde haben wir es gemacht, um den Leuten eine Freude zu bereiten. Wenn uns das gelingt, dann ist alles gut.

Das ist doch ein perfektes Schlusswort. Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch.

Herbig, Tramitz, Kavanian: Vielen Dank.

Interview: Dominik Laska

In einem kleinen Studio fing für das Trio alles an

Michael Bully Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian nehmen auf einem weißen Sofa in einem kleinen Studio bei Radio Gong Platz. Sie machen Späße miteinander und mit den Mitarbeitern. Hier kennt man sich. Kein Wunder, denn für das Trio fing hier bei Radio Gong alles an. Gong-Chef Georg Dingler erinnert sich: „Wir waren damals immer auf der Suche nach kreativen Menschen und haben viel ausprobiert. In einer Sendung haben wir über ausgefallene Berufe berichtet und da ist uns einer aufgefallen, der Anrufbeantworter bespricht – das war der Bully, gemeinsam mit dem Rick.“ Kurze Zeit später engagierte Dingler die beiden, später kam dann auch noch der Christian hinzu. „Sie konnten sich bei uns richtig ausleben, die ganzen Ideen zu Papier bringen und ins Studio gehen usw. Irgendwann entwickelte sich eine Eigendynamik“, erzählt Dingler weiter. „Die Bayerncops wurden immer bekannter in der Stadt, Bully und Rick waren hervorragend als Stimmenimmitatoren. Für einen Radiomacher wie mich war das fantastisch, so viel geballte Kreativität vor der Nase zu haben.“ Das ist jetzt 27 Jahre her und auch persönlich hat sich zwischen dem Radio-Chef und dem Trio eine enge Freundschaft entwickelt. „Zwischen uns herrscht eine sehr herzliche Verbindung und ich drücke ihnen natürlich für den Film die Daumen.“

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