Cannes im "Matrix"-Fieber: Doch "Reloaded" fehlt die Raffinesse

- Cannes - "Matrix" ist Kult. Eine derartige Mischung von Inhalt, Stil und Action hatte es vor dem ersten Film vor vier Jahren im Kino nicht gegeben. Umso höher waren die Erwartungen an die Fortsetzung "Matrix Reloaded", die bei den Filmfestspielen in Cannes uraufgeführt wurde. Tatsächlich sind die Kämpfe in Teil 2 noch rasanter und die Specialeffekte noch fantastischer - aber insgesamt sieht "Reloaded" sehr nach einer Materialschlacht auf höchstem handwerklichen und finanziellen Niveau aus, der die kreative Raffinesse des ersten Teils abhanden gekommen ist.

Laurence Fishburne, der in den Filmen den Cyber-Rebellen Morpheus spielt, beschrieb das "Matrix"-Phänomen als "Kombination von Science-fiction, Hongkong-Kung-Fu, Cyberpunk und klassischem amerikanischen Actionkino, mit einer großen Dosis Spiritualismus und Philosophie". Aber die Extraportion Hirn, die Teil 1 auch für die Denker im Kinosessel interessant gemacht hat, ist geschrumpft. Jetzt lässt Produzent Joel Silver die Muskeln spielen. Der Hollywood-Veteran hat mit Produktionen wie "Stirb langsam" und "Lethal Weapon" bereits Millionen verdient. <P></P><P>Die Story fügt sich nahtlos an den ersten Teil an: Die Menschen haben vor langer Zeit den Kampf gegen intelligente Maschinen verloren und werden von ihnen körperlich ausgebeutet. Ein gigantisches Computerprogramm - die Matrix - ersetzt diesen Sklaven das Bewusstsein. Neo (Keanu Reeves) ist wirklich "der Eine", der Auserwählte, der mit übermenschlichen Kräften die Menschheit befreien könnte. Gemeinsam mit seiner Geliebten Trinity (Carrie-Anne Moss) und Captain Morpheus muss er aber zuerst die Rebellenstadt Zion retten, der ein Killerangriff der Maschinen bevorsteht.</P><P>Weil der hoch philosophische Grundkonflikt zwischen Künstlicher Intelligenz und dem freien menschlichen Willen schon im ersten Teil dargelegt wurde, darf es jetzt zur Sache gehen: Action-Fans können ihre Nerven unter anderem von einer 14 Minuten langen, wahnsinnig schnellen Auto- und Motorradverfolgung reizen lassen. Die Kickbox-Kämpfe der glänzend trainierten Stars sind als atemberaubende Schlachten choreografiert. Und Neo hat das Fliegen gelernt, kann als Supermann in bester Comic-Manier Raum und Zeit überwinden.</P><P>Ausgebrütet wurde all dies wieder von den Autoren und Regisseuren Larry und Andy Wachowski. Die in den 60er Jahren geborenen Brüder leben in geheimnisvoller Zurückgezogenheit und ließen sich auch in Cannes nicht blicken. "Sie sind total in der Arbeit an Teil 3 "Revolutions" vergraben", sagte Produzent Silver. Der Abschluss der Trilogie wird am 5. November weltweit starten.</P><P>Mit den beiden extrem aufwendigen Fortsetzungen gingen die Wachowskis und Produzent Silver finanziell nur ein kleines Risiko ein. 65 Millionen Dollar kostete "Matrix"-Nummer 1, 460 Millionen hat er weltweit eingespielt. Für die parallel gedrehten Fortsetzungen "Reloaded" und "Revolutions" wurden dann insgesamt 300 Millionen Dollar fällig. Ein Einsatz, der in jeder Sekunde der 2 Stunden und 18 Minuten langen "Reloaded"-Folge deutlich sichtbar ist.</P>

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