Cannes wartet auf "Indiana Jones"

Cannes - Wer das edle Carlton-Hotel in Cannes betreten will, kommt an "Indiana Jones" nicht vorbei. Der prachtvolle Jugendstil-Eingang ist während des Filmfestivals in Cannes von einem seltsamen Portal verdeckt, das an verfallene Maya-Tempel denken lässt.

Das Werbesignal lässt keinen Zweifel zu: Die Uraufführung von "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" an diesem Sonntag ist der kommerzielle Höhepunkt des Festivals. Aber kann der Film halten, was der Rummel verspricht?

19 Jahre hat es seit dem "Letzten Kreuzzug" des Archäologen mit der Peitsche gedauert, bis ein vierter Teil der Abenteuer-Reihe weltweit in die Kinos kommt. Das Hollywood-Dream-Team Steven Spielberg (61, Regie), George Lucas (64, Produktion) und Harrison Ford (65, Held) hat lange gegrübelt und etliche Drehbuchentwürfe in den Papierkorb geschmissen. Die jetzige Fassung rankt um einen dereinst von den Maya verehrten Kristallschädel, der angeblich von den Sternen auf die Erde gefallen ist. Dabei war die Handlung in den bisherigen Filmen, die insgesamt 1,2 Milliarden Dollar eingespielt haben, eigentlich stets Nebensache. Bei "Indiana Jones" geht es um Spannung, Abenteuer, Action und Humor. Als attraktive Co-Stars sind Cate Blanchett und der Newcomer Shia Labeouf dabei.

Doch immer lauter werden die Zweifel in Cannes, ob "Indy 4" - so die Abkürzung in der Branche - mit der rasanten Entwicklung des Blockbuster-Kinos hin zu immer mehr Tempo und digitalen Effekten in den letzten Jahrzehnten Schritt gehalten hat. Für kein gutes Zeichen halten manche beispielsweise Äußerungen des Produzenten Frank Marshall in "Blickpunkt: Film" über die Arbeit am "Kristallschädel": "Es ist, als würde man eine gut geölte Maschinerie bedienen. Eigentlich gibt es keinen großen Unterschied zu den bisherigen Filmen", gab er gemütlich zu Protokoll. "Wir haben keine großen digitalen Tricks, das ist ein Low-Tech-Film."

Das Konzept erscheint durchaus mutig. Während andere Studios eher hoch-technisierte Remakes ihrer Erfolge aus den 80er Jahren planen, wollen Spielberg und Co. anknüpfen an den guten alten Charme vergangener Zeiten. "Ich wollte den Charakter von Indiana Jones nicht verändern. Ich wollte die Figur nur authentisch wiederbeleben", sagte Spielberg dem Fachblatt "Screen" in Los Angeles.

Obwohl die Kopien des Films strenger gehütet werden als ein Militärgeheimnis, sind im Internet schon die ersten Kritiken zu lesen. Ein anonymer Blogger ätzt beispielsweise, das sei "der Indiana-Jones-Film, den man befürchtet habe", der Dschungel sehe aus wie Plastik und die Scherze über das fortgeschrittene Alter von Mr. Jones kämen ziemlich müde daher.

Schon befürchtet zum Beispiel "Variety" ein Szenario wie bei der Uraufführung des Thrillers "Der DaVinci-Code - Das Sakrileg" in Cannes vor zwei Jahren. Der Film mit Tom Hanks war in der Pressevorführung völlig gefloppt und mit hämischen Verrissen bombardiert worden. Zunächst herrschte beim zuständigen Studio Untergangsstimmung, die aber wenige Tage später angesichts der ersten Zahlen von den Kinokassen in Feierlaune umschwenkte. Trotz der Panne in Cannes spielte "Das Sakrileg" weltweit nach Angaben von "Variety" 785 Millionen Dollar ein.

George Lucas, der Erfinder von "Indiana Jones", scheint auf jeden Fall gewappnet: "Ich weiß, dass die Kritiker ihn hassen werden", sagte er vor dem Festival. "Und die Fans werden aufgebracht sein. Da muss man sich einfach bereitmachen für die Pflastersteine und Sahnetorten, die in unsere Richtung fliegen werden."

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