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Zielorientiert: In „Schatten der Gerechtigkeit“ spielt Yvonne Catterfeld eine Polizistin, die kompromisslos für Recht und Ordnung sorgt.

Catterfeld: „Die Rolle war für mich wie ein Geschenk“

Yvonne Catterfeld über „Schatten der Gerechtigkeit“, das geplatzte Romy Schneider-Projekt und die Bürde der Schönheit

Yvonne Catterfeld gilt noch immer als Popsängerin, die auch in Seifenopern („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“) mitspielte. Mit der Rolle einer knallharten Polizistin in „Schatten der Gerechtigkeit“ (zu sehen heute um 20.15 Uhr bei Sat.1) will die 29-Jährige, die derzeit an ihrem neuen Album arbeitet, eine andere Seite von sich zeigen.

-Gibt es bedeutende und weniger bedeutende Rollen?

Selbstverständlich. Aber die Kategorisierung als „weniger bedeutend“ darf nicht die Leistung beeinflussen. Warum gibt es sonst die Auszeichnung für die „beste Nebenrolle“? Man muss versuchen, jedem Moment im Film eine Bedeutung zu geben.

-Merkt man schon am Drehbuch, beim Spielen, welche Rolle in die Geschichte eingeht?

Ich überlege nicht in dem frühen Stadium, wenn ich das Drehbuch lese, ob ich mit dem Film langfristig in Erinnerung bleibe. Aber ich glaube, ich habe bisher auch noch keine Rolle angenommen, weil ich das Geld brauchte.

-Was an Ihrem Hauptberuf als Sängerin liegt.

Auch, sicher. Und gerade jetzt, in der Krise, sagen viele Schauspieler öfter mal ja, wo sie vorher nein gesagt hätten. Etwas abzulehnen muss man sich leisten können. Ich habe mich bislang für jede Rolle bewusst entschieden, auch wenn ich vieles davon im Nachhinein als Teil eines Entwicklungsprozesses bezeichnen würde.

-Wie „GZSZ“?

Ohne „GZSZ“ wäre ich nie zum Schauspiel gekommen, sonst hätte ich das studiert, nicht Musik. Außerdem habe ich da unheimlich viel gelernt, hochkonzentriertes Arbeiten mit wenigen Möglichkeiten zur Wiederholung, dreieinhalb Jahre jeden Tag vor der Kamera. Klar – heute kann ich mir die Folgen von damals nicht mehr ansehen.

-Schwimmen Sie sich mit „Schatten der Gerechtigkeit“ von der Sängerin oder der Soap-Darstellerin frei?

Von beidem ein bisschen. Die Rolle war für mich wie ein Geschenk, auf so etwas habe ich hingearbeitet.

-Sind Sie enttäuscht, dass es mit dem Romy-Kinofilm nicht geklappt hat?

Dafür schließe ich zu schnell und zu konsequent mit der Vergangenheit ab, wenn ich weiß, dass ich nichts mehr ändern kann.

-Dabei sind Sie ihr viel ähnlicher als Jessica Schwarz, die die Rolle nun im Fernsehen spielt. War das Äußere damals wichtiger als Ihr Talent?

Bestimmt nicht. So eine Rolle bietet man doch niemandem an, nur weil die Optik stimmt. Nein, nein, ich habe Castings gemacht und dabei offenbar überzeugt, wobei Romys zweiter Mann Daniel Biasini und der französische Produzent…

-...Raymond Danon...

… der den letzten Film mit Romy gemacht hatte, sogar ausdrücklich meinten, die Ähnlichkeit sei eher hinderlich, weil man keine Kopie von etwas schaffen wolle, was einmalig ist.

-Kann Schönheit auch eine Bürde sein?

Dann gab es die für Ingrid Bergmann, Katherine Hepburn, Liz Taylor, Catherine Deneuve oder heute Penelope Cruz offenbar nicht. Erst wenn hinter der Schönheit kein Ausdruck steht, stört es mich.

-Durften Sie schon mal hässlich sein?

Nein, der Regisseur von „Schatten der Gerechtigkeit“ war der erste, der mich anders besetzen wollte. Hans-Günther Bücking meinte gleich zu Beginn: „So, jetzt ist Schluss mit Hübschsein!“ Er dachte zunächst auch, dass ich ständig drauf achte, wie Haar und Make-up sitzen, und glaubte nun, mir das erstmal austreiben zu müssen.

-Musste er?

Auch ich bin natürlich eitel, und solange Hässlichkeit nichts mit dem Kern der Rolle zu tun hat wie bei Charlize Theron in „Monster“, muss man sich nicht zwanghaft Makel überstülpen.

-Übergestülpt an Ihrer aktuellen Rolle wirkt, dass Sie nicht nur schön, sondern kompetent, tough, klug, loyal und gerecht sind. Ein Bulle wie im Märchen.

(Lacht.) Die Frage habe ich mir auch gestellt, aber wenn jemand so extrem gerecht ist wie sie, muss es eine Geschichte dahinter geben.

-Die im Film nur nicht erzählt wird.

Ja, schade. Aber so kann sich der Zuschauer seinen eigenen Reim drauf machen.

Das Gespräch führte Jan Freitag.

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