Charme der 50er-Jahre

- "Imitation des Lebens": Wie dieses Werk von Douglas Sirk könnte auch Todd Haynes' neuer Film heißen. In satt-bunten, klassischen Technicolor-Farben erzählt "Dem Himmel so fern" ein Melodram, die Implosion einer bürgerlichen Ehe in den feinen Verhältnissen der US-Ostküste. Nach dem Glam-Rock-Drama "Velvet Goldmine" ist "Dem Himmel so fern", der morgen in den Kinos anläuft, eine Hommage an den Stil der späten 50er.

<P>Wir müssen mit den Farben anfangen: Sie leuchten irgendwo zwischen "Indian-Summer" und candy-farbener Künstlichkeit.</P><P>Haynes: Es begann natürlich mit Douglas Sirk. Seine Filme, besonders "All that Heaven Allows", sind so anspruchsvoll, wie man es heute nicht mehr kennt. Es gibt fast immer Komplementärfarben und innere Bezüge in einer Szene. Heute dagegen ist das Denken in Farben heruntergekommen. Es ist dümmer geworden: Jede Farbe bedeutet etwas Bestimmtes. Ich wollte Sirks Niveau wiedererstehen lassen: Farbe sollte das Zentrum werden, die Sprache, in der der Film erzählt. Darauf haben wir schon beim Script geachtet, jede Szene wurde farblich durchgeplant. </P><P>Wie haben Sie das technisch gemacht? </P><P>Haynes: Das war beim Drehen schwierig, weil das Licht genau stimmen musste. Digitale Computernachbearbeitungen haben wir nicht verwendet, obwohl es manchmal so aussieht. Farben und die Herbststimmung haben eine Bedeutung. </P><P>Sie ergreifen das Unterbewusstsein des Zuschauers. Zugleich verstärken derart intensive Töne in ihrer Künstlichkeit eher die Distanz - steht das nicht im Widerspruch zu dieser emotionalen Geschichte?</P><P>Haynes: Die Interaktion der Farben interessiert mich besonders. Sie ist es, die Konflikte und Gefühle, Atmosphären organisieren. Diese Farbenlehre ist eine Wissenschaft für sich - ich kann nur sagen, dass ich da auch eher aus dem Gefühl heraus arbeite. Herbst existiert natürlich auch in dieser Ehe, in der Gesellschaft, die ich beschreibe. Zugleich ist es das Faszinierende am Herbst, dass es die Jahreszeit ist, in der die Natur selbst am künstlichsten und exzessivsten wirkt. Künstlichkeit ist in diesem Fall ganz wichtig. Insofern ist der Film künstlich und naturalistisch. Aber ich weiß genau genommen gar nicht, was "natürlich" oder "realistisch" bedeutet. Man kann das gar nicht so gut erklären. Das Schönste am Film ist ja, dass sich die wesentlichen Dinge nicht in Worte fassen lassen. </P><P>Die Story ist durchaus aktuell. Warum muss "Dem Himmel so fern" trotzdem in den 50ern spielen?</P><P>Haynes: Ich konnte der Fremdartigkeit und dem Aussehen der 50er-Jahre nicht widerstehen. Einiges sieht man gerade durch eine gewisse Verfremdung klarer. Dann ging es auch um das Klima im gegenwärtigen Amerika. Der Konservativismus von Bush hat das Land weit zurückgeworfen. In gewissem Sinne ist die US-Gesellschaft genauso zwanghaft wie die Welt von damals. </P><P>Das falsche Paradies kommt zurück? </P><P>Haynes: Alle denken, wir hätten uns weiterentwickelt. Natürlich gibt es mehr Freiheit. Aber es ist im Prinzip noch frustrierender, dass man über alles diskutieren kann und sich trotzdem nichts ändert. In den 50ern gab es noch klare Oppositionen: hier die Regierung, dort die Bürgerrechtsbewegung. Das gibt es heute nicht mehr.</P><P> </P><P> </P>

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