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„Sehr entspannt“ seien die Dreharbeiten mit ihrer Mutter Catherine Deneuve gewesen, erzählt Chiara Mastroianni (re.) in unserem Gespräch. In dem Film „Die Liebenden“, der morgen in unsere Kinos kommt, spielen die beiden Frauen Mutter und Tochter.

Chiara Mastroianni über „Die Liebenden“ im Interview

München - Talent und Schönheit wurden ihr in die Wiege gelegt: Chiara Mastroianni ist die Tochter von Catherine Deneuve und Marcello Mastroianni. Im Interview spricht sie über ihre Eltern und ihren Film „Die Liebenden“.

Sie trat in die Fußstapfen ihrer berühmten Eltern und drehte mit Meisterregisseuren wie André Téchiné oder Robert Altman. Ab Donnerstag kann man sie im Filmmusical „Die Liebenden“ zum ersten Mal gemeinsam mit Catherine Deneuve als Mutter-Tochter-Gespann auf der Leinwand erleben. Im Interview mit dem Müncher Merkur spricht die 39-Jährige mit dem markanten Leberfleck offen über ihre legendären Eltern, die sich trennten, als sie drei Jahre alt war.

Sie sind bei Ihrer Mutter aufgewachsen, die auf der Leinwand oft wie eine kühle, unnahbare Diva wirkt. Wie haben Sie sie erlebt?

Darum geht es in „Die Liebenden“

Liebeswirren in Paris: Die einstige Gelegenheitsdirne Madeleine (Catherine Deneuve) ist mit einem kreuzbraven Gendarmen verheiratet, trifft sich aber immer noch mit einem ihrer ehemaligen Freier zu heimlichen Schäferstündchen. Ihre Tochter Vera (Chiara Mastroianni) weist hingegen die Avancen ihres Ex-Lovers ab: Sie hat sich unsterblich in einen schwulen, HIV-infizierten

Musiker verliebt und will unbedingt ein Kind von ihm.

Die ausführliche Filmkritik lesen Sie morgen.

Ganz anders! Das Klischee vom blonden Eisberg hat mit der Realität nichts zu tun: Meine Mutter ist ein sehr feinfühliger, witziger und warmherziger Mensch. Ebenso wie mein Vater hat sie ihre Bodenhaftung nie verloren – beide sind bescheiden geblieben und haben stets betont, sie hätten in ihrem Job einfach viel Glück gehabt. Mein Vater hatte zum Beispiel zeit seines Lebens nie einen Bodyguard.

Er wirkte immer sehr heiter und optimistisch.

Stimmt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Mein Vater war zugleich ein sehr melancholischer, von Schmerz geplagter Mann. Er hielt es nicht aus, wenn er gerade keinen Job hatte. Am liebsten stürzte er sich in die Arbeit: Sie bot ihm die Möglichkeit, dunkle Aspekte seines Lebens zu verdrängen. Ich habe stets meine Ferien mit ihm verbracht – aber wir sind nie in Urlaub gefahren, denn er hasste Urlaub. Stattdessen durfte ich ihn bei seinen Dreharbeiten begleiten.

Haben Ihre Eltern früh Ihre Begeisterung für das Kino geweckt?

Ja. Meine Mutter hat sehr streng darauf geachtet, dass ich jeden Abend früh ins Bett kam. Nur freitags durfte ich länger aufbleiben: Da wurden im französischen Fernsehen immer alte Filmklassiker gezeigt. Die habe ich geliebt! Und endgültig mit dem Filmvirus infiziert wurde ich als Siebenjährige am Set eines Films, den mein Vater drehte.

Nämlich?

Federico Fellinis „Stadt der Frauen“. Ich war so fasziniert von den gigantischen Bauten und den spektakulären Kostümen, dass ich unbedingt zu dieser Filmwelt dazugehören wollte – und sei es als Skriptgirl oder Kabelträgerin. Meine Lust an der Schauspielerei erwachte erst später, etwa mit zwölf Jahren.

Haben Ihre Eltern Sie bei Ihrem Berufswunsch unterstützt?

Meine Mutter nicht – im Gegenteil! Sie hatte Angst um mich, was ich heute durchaus nachvollziehen kann. Zudem war sie enttäuscht, weil sie erwartet hatte, dass ich studieren und einen „anständigen“ Beruf ergreifen würde.

Und Ihr Vater?

Er gab mir seinen Segen. Mein Opa väterlicherseits war Schreiner, und mein Vater betrachtete auch die Schauspielerei stets als einen Handwerksberuf. Er war stolz darauf, dass ich sozusagen die handwerkliche Tradition der Familie fortführte.

Was ist das Wichtigste, das Sie von Ihren Eltern gelernt haben?

Mein Vater gab mir ausschließlich pragmatische Tipps – zum Beispiel, wie man vor der Kamera die Bodenmarkierungen trifft, ohne nach unten zu sehen. Oder wie man sich beim Drehen nicht anmerken lässt, dass man schon weiß, was der Dialogpartner als Nächstes sagen wird. Typische Handwerker-Tricks!

Und was hat Ihre Mutter Ihnen verraten?

Meine Mutter hat mir aus Prinzip nie irgendwelche Ratschläge erteilt. Denn sie wollte, dass ich sämtliche Entscheidungen selbstständig treffe und hinterher auch zu meinen Entscheidungen stehe, anstatt die Schuld auf einen Ratgeber abzuwälzen.

Wie war es jetzt für Sie, „Die Liebenden“ mit ihr zu drehen?

Sehr entspannt. Ich empfand es als enormen Vorteil, dass wir einander so gut kennen. Wenn ich ihr zuvor nie begegnet wäre und man mir gesagt hätte, dass ich in einem Film ihre Tochter spielen sollte, wäre ich vermutlich vor Schreck in Ohnmacht gefallen!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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