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Dustin Hoffman spielt in "Der Chor - Stimmen des Herzens" den Leiter des Knabenchors. 

Dustin Hofman dirigiert

Der Chor mit einem störrischen Talent

Ein junger Knabe, allein und mit einem besonderen Talent, das er nicht zu nutzen weiß. Eine bekannte Geschichte, dennoch berührend umgesetzt mit viel Raum für schauspielerische Entfaltung.

Im Zeitalter von Streaming-Diensten, schrillen YouTube-Musikvideos und Klingelton-Gedudel allerorten wirken Filme über Jugendliche, die ernsthaft Musik machen, schon fast rührend altmodisch. Aber sie haben Erfolg, weil sie eine Sehnsucht nach dem Authentischen bedienen. Auch der neue Film des kanadischen Film-, Opern- und Theaterregisseurs François Girard scheint etwas aus der Zeit gefallen zu sein. Aber man sollte sich nicht vom kitschigen deutschen Verleihtitel „Der Chor – Stimmen des Herzens“ täuschen lassen: Girard erzählt in seinem großartig besetzten, allerdings etwas überraschungsarmen Chorknaben-Drama eine starke Geschichte vom Erwachsenwerden und dem Mut, seinem eigenen Talent zu folgen.

Der zwölfjährige Stet (Garrett Wareing) lebt mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Er ist unberechenbar, verfügt jedoch über ein herausragendes Gesangstalent, das von seiner Lehrerin (Debra Winger) gefördert wird. Als Stets Mutter bei einem Autounfall ums Leben kommt, gelingt es der Pädagogin, ihren Schützling in einem Musikinternat unterzubringen. Jetzt muss sich Stet im „National Boychoir“ behaupten, dem besten Knabenchor der USA. Dessen Leiter Carvelle (Dustin Hoffman) steht seinem neuen Schüler indes skeptisch gegenüber. Girard lässt den Schauspielern viel Raum zur Entfaltung. Fast alles kreist um Dustin Hoffman, aber vor allem der junge Garrett Wareing fasziniert.

„Der Chor – Stimmen des Herzens“

Mit Dustin Hoffman

Regie: François Girard

Laufzeit: 104 Minuten

Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Whiplash“ mochten.

Johannes von der Gathen

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