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Der Autor Jan Weiler (l-r) und die Schauspieler Christian Ulmen , Mina Tander , Maren Kroymann und Lino Banfi bei der Premiere ihres Films "Maria, ihm schmeckt's nicht!".

Zum Kinostart von „Maria, ihm schmeckt’s nicht“

Christian Ulmen im Interview

Christian Ulmen (34) war schon als Teenager in den Medien tätig. Erst als Radio-, dann als TV-Moderator. Im Jahre 2003 erregte er mit „Herr Lehmann“ erstmals Aufsehen als Schauspieler.

In der Komödie „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ nach dem Bestseller von Jan Weiler, spielt Ulmen an der Seite von Italiens Superstar Lino Banfi einen Deutschen, den seine geplante Ehe mit einer Halb-Italienerin unverhofft in einen deutsch-italienischen Kulturkampf verwickelt. Kino-Start ist morgen.

-So wie Ihre Filmfigur Jan sind Sie mit einer Halb-Italienerin verheiratet. Gibt es Parallelen zur Filmhandlung?

Sie hat keine Verwandtschaft mehr in Italien , deswegen habe ich nicht das erlebt, was Jan im Film erleben muss. Aber der Moment, in dem man das erste Mal den zukünftigen Schwiegereltern begegnet, ist immer merkwürdig, egal woher die stammen. Deswegen war das Buch von Jan Weiler auch so erfolgreich – jeder kann sich damit identifizieren.

-Haben Sie auch formell beim Vater der Braut um die Hand angehalten, so wie Jan im Film ?

Ich habe auch um die Hand der Tochter angehalten, weil man mir sagte, dass das der Vater meiner Frau mögen würde. Eigentlich total dämlich. Es war natürlich furchtbar, weil er zunächst so ähnlich reagierte wie der Vater der Braut im Film , also eher kühl. Er hatte sich jemand anderen für seine Tochter vorgestellt. Ich werde es übrigens auch genau so halten, wenn irgendein Mann einmal meine Tochter heiraten möchte: Der muss erst bei mir vorsprechen. Und ich werde ihn quälen.

-Im Film spricht Jan kein Italienisch. Und Sie?

Ich kann kaum Italienisch. Ich habe mich auch geweigert, etwas zu lernen – um in der Rolle bleiben zu können. Method-Acting, wissen Sie.

-Sie haben zwölf Kilo für die Rolle abgenommen. Warum eigentlich?

Weil in dem Drehbuch dieser Satz auftaucht: „Er ist so bleich und mager.“ Also habe ich drei Wochen auf Kohlenhydrate verzichtet, habe keinen Alkohol getrunken und bin gejoggt. Man isst Sojajoghurt, Fisch und Gemüse, sonst nichts. So verliert man schnell Gewicht. Diese Art der Crash-Diät ist eigentlich sehr ungesund. Aber die Produktionsfirma bestand darauf. Da können Sie sehen, unter welchen menschenverachtenden Umständen ich arbeiten muss. Sie hätten auch einfach diesen einen Satz aus dem Drehbuch streichen können.

-Sie tauchen immer in sehr interessanten Projekten auf. Zuerst im „Herr Lehmann“, jetzt eben in dieser Bestseller-Verfilmung, demnächst in einem „Jerry Cotton“-Film. Wie schafft man das?

Weiß ich auch nicht. Ist natürlich mit etwas Glück verbunden. Und wahrscheinlich muss man auch mal Nein sagen. Wenn man sich den Luxus leistet, wirklich nur die Angebote anzunehmen, die man selber wirklich mag, entsteht der Eindruck, dass man nur bei den guten Sachen dabei ist.

Das hängt auch ein bisschen mit dem Fantasievermögen der Filmemacher zusammen. Auf den ersten Blick sind die Rollen oft ähnlich, aber es gibt da im Inneren der Charaktere immense Unterschiede. Für mich ist es spannend, das herauszuarbeiten.

-Sie sind hier an der Seite eines Superstars zu erleben: Lino Banfi , der in Italien eine Institution ist. War Ihnen das bewusst?

Man merkt es schnell. Die Menschen fangen wirklich an zu tanzen, wenn Lino Banfi auftaucht. Das ist keine Übertreibung. Wenn Lino Banfi auf die Straße kommt, strömen die Italiener generationenübergreifend zusammen und feiern spontan Volksfeste. So wie früher bei Willy Millowitsch in Köln .

-Lino Banfi spricht kein Wort Deutsch. Wie hat die Zusammenarbeit ausgesehen?

Er hat sich seinen deutschen Text auf Lautschrift aufschreiben lassen. Eigentlich wollte er sie auswendig lernen, aber letztlich musste ich immer Tafeln halten, von denen er den Text ablas. Überhaupt hingen überall Zettel mit dem Text. Er hat alles abgelesen, was auch eine Kunst ist. Das einzige Problem war, dass wir wegen dieser Tafeln nie Sichtkontakt hatten. Banfi und ich haben auch keine gemeinsame Fremdsprache, wir konnten uns also überhaupt nicht unterhalten.

Mit Gesten, Augenrollen und Lauten. Ging ganz gut.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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