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„Django Unchained“: Waltz als Dr. King Schultz.

Golden Globe als bester Nebendarsteller

Christoph Waltz: Von Derrick zu Django

München - Christoph Waltz kann neben seinen Oscar jetzt einen zweiten Golden Globe ins Regal stellen. Bekommen hat er ihn für „Django Unchained“ – wieder ein Film von Quentin Tarantino. Es ist eine späte, aber umso furiosere Hollywood-Karriere. Doch Waltz traut ihr noch immer nicht.

Als ein Reporter Christoph Waltz bei der Deutschland-Premiere von „Django Unchained“ vergangene Woche fragt, wie er sich auf die Golden Globes vorbereitet, muss der Österreicher lachen. „Ich schau, dass mein Hemd gebügelt ist“, sagt er. Beim zweiten Mal scheint er den ganzen Trubel deutlich gelassener zu sehen. Tatsächlich ist das Hemd faltenfrei, als Waltz in der Nacht zum Montag den Golden Globe als bester Nebendarsteller in Empfang nimmt. Es ist schon sein zweiter. Den ersten hat er 2009 für seine Darstellung des SS-Führers Hans Landa in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ gewonnen. Jetzt wieder ein Tarantino: In „Django Unchained“ spielt er einen trickreichen deutschen Kopfgeldjäger. Es ist ein Film über Sklaverei im Stile eines Spaghetti-Westerns.

Eigentlich kein Genre, das Hollywood bisher für besonders preiswürdig hielt. „Die Faszination kommt nicht vom Genre, sondern vom Buch“, antwortete Waltz vergangene Woche auf die Frage, warum er die Rolle angenommen habe. Doch noch wichtiger sei die Verbundenheit mit dem Regisseur. Er verdanke Tarantino seine gesamte internationale Karriere.

Bis zu seiner Rolle in „Inglourious Basterds“ war Waltz vor allem deutschen und österreichischen Fernsehzuschauern ein Begriff. Klar hatte er schon für Aufsehen gesorgt, als Roy Black zum Beispiel oder in der Verfilmung der Oetker-Entführung „Der Tanz mit dem Teufel“. Doch häufig spielte er auch kleine Serien-Rollen in „Derrick“ oder bei „Kommissar Rex“. Von Hollywood war Waltz weit weg, als er – damals schon über 50 – für das Weltkriegsdrama von Tarantino vorsprach.

Waltz brillierte, und plötzlich erkannten es alle. Der heute 56-Jährige gewann gleich mit seinem Hollywood-Debüt einen Golden Globe und einen Oscar. In seinem nächsten Drehbuch schrieb ihm Tarantino die Rolle des Kopfgeldjägers Dr. King Schultz auf den Leib.

Ist das jetzt der Normalzustand? „Die Norm ist es nicht“, sagt Waltz im Gespräch mit unserer Zeitung. „Denn erstens habe ich nicht vergessen, wie es mir früher ging, und zweitens sehe ich, wie es um mich herum völlig gleichwertig begabten und wahrscheinlich noch besseren, erfahreneren Schauspielern geht. Das vergesse ich nicht, keine Sorge.“ Ihm sei durchaus bewusst, dass es auch wieder abwärts gehen könne, sagt Waltz. „Es kann immer schlechter werden – egal, ob man mit Tarantino arbeitet oder mit Bully Herbig.“

Längst nicht alles, was Waltz seit seinem Oscar-Gewinn anfasste, wurde zu Gold. Seine Auftritte in der Comic-Verfilmung „Green Hornet“ und in „Wasser für die Elefanten“ konnten die Filme nicht retten. Erst mit seiner Rolle als überheblicher New Yorker Geschäftsmann in „Der Gott des Gemetzels“ von Roman Polanski knüpfte er an seine Leistung in „Inglourious Basterds“ an. Es scheint fast, als brauchte Waltz große Regisseure, um zu glänzen. Nach dem Gewinn seines zweiten Golden Globes sagte er: „Quentin, du weißt, dass meine Schulden dir gegenüber und meine Dankbarkeit nicht in Worte zu fassen sind.“ Jetzt ist er heißester Favorit auf den Oscar für „Django Unchained“. Es wäre wohl die endgültige Bestätigung seiner internationalen Karriere. Trotzdem wirkt Waltz im Gespräch noch unsicher. Macht einem das Angst, wenn man so erfolgreich ist, dass es wieder abwärts gehen könnte? „Naja, Angst“, sagt Waltz. „Das kommt auf das Ausmaß Ihrer Neurose an.“

Hier finden Sie das komplette Interview mit Christoph Waltz!

Philipp Vetter

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