Bewegendes Drama

"Circles": Die Verantwortung des Einzelnen

München - Regisseur Srdan Golubovic ist mit „Circles“ ein bewegendes Drama gelungen, das im Bosnienkrieg beginnt und in der Gegenwart endet. Unsere Kinokritik:

Die Frage, was einen guten Menschen ausmacht, ist im mitteleuropäischen Alltag eine akademische Angelegenheit. Nur ein paar Stunden südöstlich ist es dagegen eine Frage, die über Leben und Tod entscheiden kann. Immer noch. Auch wenn die Menschen auf dem Balkan gern mit der jüngsten Geschichte abschließen würden, die Geschichte schließt noch nicht mit ihnen ab.

Regisseur Srdan Golubovic hat das in seinem durchrüttelnden Drama „Circles“ klug und unsentimental in Bilder gegossen. Es beginnt im sinnlosen, obszönen bosnischen Bruderkrieg in den Neunzigern: Ein serbischer Soldat schützt einen moslemischen Zivilisten vor der brutalen serbischen Soldateska und zahlt dafür mit seinem Leben. 20 Jahre später kreuzen sich die Schicksale der Beteiligten, die überlebten: Gibt es die Möglichkeit der Vergebung zwischen Menschen mit mehr offenen Rechnungen, als man je begleichen kann?

Düster und verstörend nüchtern zeichnet der Film das Ringen um die Antwort auf diese Frage nach und zertrümmert virtuos die Illusion der Möglichkeit des Vergessens. Golubovic flieht dabei nie in Folklore. „Circles“ beharrt vielmehr auf der Verantwortung jedes Einzelnen. Und hinter dieser Unerbittlichkeit ahnt man die einzige Chance auf Frieden.

zg

Rubriklistenbild: © snacktv

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“
München - Kirill Serebrennikov verfilmte mit „Der die Zeichen liest“ Marius von Mayenburgs Theaterstück „Märtyrer“. Hauptthema: Jugendliche und die Bibel.
Satire auf selbstgefällige Frömmler - Filmkritik zu „Der die Zeichen liest“

Kommentare