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Auf dem Weg zur Probe: Francesco (M.) und seine Freunde singen im Chor der Sixtinischen Kapelle.

Ciro Cappellari über seine Dokumentation „Francesco und der Papst“

München - Der Papst aus Kindersicht - der Dokumentarfilm „Francesco und der Papst", der am Donnerstag in den Kinos anläuft, nähert sich Benedikt XVI. aus der Sicht des elfjährigen Francesco, eines Buben aus Rom, der im Chor der Sixtinischen Kapelle singt. Wir sprachen mit Regisseur Ciro Cappellari über seinen Glauben und seinen Film.

Sie sehen sich selbst nicht mehr als Katholik. War das eher von Vorteil beim Dreh von „Francesco und der Papst“?

Als Produzent Peter Weckert mit seiner Idee zu mir kam, habe ich mich sehr gefreut. Ich stamme aus einer sehr katholischen Familie, ich selbst bin allerdings Atheist. Für mich war der Film ein Geschenk, weil ich im Vatikan filmen und den Papst begleiten durfte. Eine meiner Bedingungen für dieses Projekt war, dass ich keinen Werbefilm für die Kirche machen will, ich wollte offen in die Welt des Vatikans hineinschauen.

Im Vatikan ist man als Medienschaffender sehr auf das Wohlwollen der Kurie angewiesen. Sie durften an Orten drehen, zu denen bislang noch kein Filmteam Zugang bekommen hat. Wie kam es dazu?

Darum geht es im Film

In „Francesco und der Papst“ geht es um die Geschichte eines elfjährigen Chorknaben, der davon träumt, einmal ein Solo vor dem Papst zu singen. Der Dokumentarfilm begleitet den Buben bei seinen Proben, in der Schule und daheim – und bietet parallel dazu Einblicke in das Leben von Papst Benedikt XVI., der auf seinen Reisen oder auch beim Spaziergang in den vatikanischen Gärten gezeigt wird. Der Film gipfelt in dem Auftritt der Knabenschola „Pueri Cantores“ vor dem Papst – und damit der persönlichen Begegnung zwischen Francesco und Benedikt XVI.

Es ist in der Tat sehr schwierig, im Vatikan zu drehen - für jeden, der es versucht. Sowohl für hyperkatholische Priester als auch für Kritiker. Die Ausrichtung der Menschen hinter der Kamera spielt dabei keine Rolle. Im Papstflugzeug nach Afrika und ins Heilige Land waren zum Beispiel auch Autoren dabei, die kritische Bücher über diesen Papst geschrieben haben. Das hat mich gewundert; man kann sagen, die Kirche hat mich positiv überrascht. Ich wurde auch nie gefragt, wie gläubig oder nahe an der Kirche ich bin. Dass wir ein Kind geschiedener Eltern als Protagonist genommen haben, fanden einige aus der Kurie natürlich nicht so gut. Ich habe dann gesagt, dass Alleinerziehende auch eine katholische Realität sind - und wir wurden in Ruhe gelassen.

War es vielleicht auch eine günstige Kombination, ein deutscher Produzent und ein italienischstämmiger Regisseur?

Ja, das war eine gute Kombination. Auf der einen Seite hatten wir die Beharrlichkeit von Peter Weckert, der immer und immer wieder nachgehakt hat. Und auf der anderen Seite mich, einen Argentinier mit italienischen Wurzeln, der ein bisschen wusste, wie die Uhren in Italien ticken. Die Versuche, einen Film zu machen, der den Papst so nahe zeigt, waren trotzdem nicht einfach. Wir mussten vielen Ängsten begegnen, nicht nur im Vatikan, sondern auch bei der Suche nach einem Jungen und dessen Familie.

Sie mussten gedrehte Szenen aber nicht autorisieren lassen?

Nein, es gab keine Zensur. Aber es gab natürlich Diskussionen, warum wir etwas so oder so filmen wollten - und es gibt im Film auch Szenen, die manchen Leuten im Vatikan nicht gefallen. Zum Beispiel als Francescos Mutter die Liturgie des Papstes kritisiert, oder als Francesco sagt, dass er kein Priester werden will. Wir wurden gefragt: „Meinen Sie diese Szenen ernst?“ Wir haben geantwortet: „Ja, weil das die Realität war.“ Und gut war’s.

Das Gespräch führte Daniel Staffen-Quandt.

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