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Auf der Flucht vor Pinochets Soldaten: Lena (Emma Watson) und Daniel (Daniel Brühl).

Exzellente Besetzung

"Colonia Dignidad": Die Folterknechte des Diktators

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München - Florian Gallenberger hat mit „Colonia Dignidad“ einen spannenden Politthriller zur Zeitgeschichte vorgelegt. Ein hervorragender Film mit exzellenter Besetzung.

Ein wichtiges Thema, geschickt als spannender Thriller verpackt: „Colonia Dignidad“, der neue Film von Oscar-Preisträger Florian Gallenberger, bringt mit viel Verve und einer exzellenten Besetzung zusammen, was im deutschen Kino bisher eher selten erfolgreich zusammenpasste.

Im Jahr 1961 gründeten der ehemalige protestantische Jugendpfleger Paul Schäfer und einige Mitstreiter aus Deutschland in Chile die abgeschottete „Colonia Dignidad“, ein autark existierendes Landgut mit rigiden, faschistisch motivierten Regeln und einer pseudo-christlichen Ausrichtung. Während der Diktatur von Augusto Pinochet fungierte die Siedlung als Folterzentrum der Geheimpolizei. Gallenbergers Film setzt ein, als sich Pinochet an die Macht putscht und der demokratisch gewählte Präsident Salvador Allende im September 1973 abgesetzt wird und zu Tode kommt.

Diese Ereignisse bilden den markanten Auftakt in Gallenbergers Film: Die Stewardess Lena (Emma Watson) besucht ihren politisch aktiven Freund, den Fotografen Daniel (Daniel Brühl), in Santiago. Pinochets Soldaten gehen an diesem Tag erbarmungslos gegen die Anhänger Allendes vor, auch Daniel wird verhaftet und in die „Colonia Dignidad“ gebracht. Lena folgt ihm und schleust sich ebenfalls in die Kolonie ein, die von Schäfer (Michael Nyqvist) mit Bibelsprüchen und harter Hand geleitet wird. In der Folge erlebt der Zuschauer durch die Augen der politisch erstaunlich unbedarften Flugbegleiterin die in der „Kolonie der Würde“ praktizierten, durchweg sehr grausamen und brutalen Foltermethoden. Daniel wird beispielsweise so lange mit Elektroschocks malträtiert, bis er vollkommen irre ist. Doch das ist nur Tarnung, hinter der er an seiner Flucht arbeitet.

Die von Schäfer und seinem Gefolge höchst fantasievoll ersonnenen Gräueltaten wiederholen sich zwar bald etwas. Dennoch bleibt Regisseur Gallenberger in seiner drastischen Darstellung noch dezent genug. Der größte Horror spielt sich im Kopf des Betrachters ab. Zum Schluss verliert sich der ambitionierte politische Faden des Films leider ein wenig im Dickicht der Wälder und in den unterirdischen Tunneln. Doch das Ziel, ein spannender Politthriller zu sein, der für die jüngere Generation mit Erläuterungen unterfüttert ist, hat „Colonia Dignidad“ nicht nur mit Würde, sondern mit Bravour erreicht.

„Colonia Dignidad“

mit Emma Watson, Daniel Brühl Regie: Florian Gallenberger

Laufzeit: 110 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „John Rabe“ oder „Argo“ mochten.

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