Comic als Film: Der Alltag eines Neurotikers

- Harvey Pekar einen sonderbaren Typen zu nennen, wäre fast eine Untertreibung. Allerdings: Wen meint man genau? Harvey ist ein begabter Comic-Autor und die Hauptfigur seiner Comic-Serie "American Splendor", die er seit 1976 schreibt und von verschiedenen Zeichnern bebildern lässt. Darin geht es allerdings nicht um Superkräfte, sondern um den normal-langweiligen Alltag in Cleveland, Ohio. Um Harvey Pekar.

<P>Im Film von Shari Springer Berman und Robert Pulcini, die auch beide das Drehbuch geschrieben haben, mischen sich nun der Pekar des Lebens mit dem der Comic-Figur. Bei "American Splendor" handelt es sich um Underground-Comics. Pekar, der aus der Arbeiterklasse stammt, wurde mit ihnen zur Kult-Figur einer kleinen, aber leidenschaftlichen Fan-Gemeinde. Heute ist er ein recht bekannter Zeitungs- und Radiokommentator. Comic als Selbsttherapie - das ist die Geschichte von Pekars Leben und von diesem Film.</P><P>Pekar ist ein neurotischer Menschenhasser mit masochistischen Zügen. Seine Familie, seine Freunde, seine komplette Umwelt erscheint in seinen Comics, und das keineswegs in günstigem Licht. Der unerträglichste Charakter ist aber Pekar selbst. Wer glaubt, dass Amerikaner immer naive Optimisten sein müssen, wer Fatalismus und Sarkasmus liebt, der wird auch "American Splendor" lieben.</P><P>Der Streifen strotzt vor Bildideen. Es mischen sich Spielfilm, Dokumentation und Animationsbilder in einmaliger Weise. Auch wer sich für Comics nicht interessiert, wem Harvey Pekar von den ersten Filmsekunden an auf die Nerven geht, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. </P><P>"American Splendor"<BR>mit Harvey Pekar, Paul Giamatti, Hope Davis<BR>Regie: Shari Springer Berman,<BR>Robert Pulcini<BR>Sehenswert <BR></P>

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