Comic als Kammerspiel

- Eigentlich hätte "Hulk" nur ein Popcorn-Film werden sollen. Eines jener Spektakel also, die für anspruchslose Unterhaltung sorgen. Aber es ist anders gekommen, und das liegt an Ang Lee. Ausgerechnet er wurde mit der Regie dieser Comic-Verfilmung beauftragt, obwohl er bestimmt nicht den Ruf hat, ein Spezialist für geistlose Kassenschlager zu sein. So ist "Hulk" ein waghalsiger Spagat zwischen Kommerz und Gefühlskino geworden, der die jugendliche Zielgruppe wohl nachhaltig irritieren wird.

<P>Die Geschichte von Bruce Banner (Eric Bana), der sich aufgrund eines Strahlenunfalls in ein grünes Monster namens Hulk verwandelt, sobald er wütend wird, ist trotz makelloser Spezialeffekte (das Monster ist im Computer entstanden) und der Actionszenen im Grunde eine Art tiefenpsychologisches Kammerspiel um Schuld und Sühne. Aber Lee wird damit der Vorlage gerecht. Hulk ist, wie die anderen Anti-Helden der Comics des Marvel-Verlags, eine tragische und ambivalente Figur: Die Katastrophen, die der biedere Wissenschaftler Bruce im Zustand der Raserei anrichtet, belasten sein Gewissen. Das Gefühl, dem eigenen Temperament ausgeliefert zu sein, treibt ihn an den Rand des Wahnsinns. </P><P>Nervender Papa</P><P>Lee fängt die pessimistische Grundstimmung des Comics perfekt ein und berücksichtigt auch die archaischen Konflikte, die dort behandelt werden: die Vergewaltigung der Natur, die sich furchtbar rächt, die Verantwortung der Söhne für die Sünden der Väter und die Frage, ob man seiner Bestimmung entkommen kann. All das verpackt Lee so unaufdringlich wie virtuos in geradezu meditative Bilder. Er nimmt sich viel Zeit, um all die verlorenen Seelen dieser trostlosen Welt vorzustellen, und räumt den Schauspielern dafür viel Raum ein.</P><P>Vor allem Nick Nolte zeigt als rücksichtsloser Übervater, der in seinem Monster-Sohn zwar die Erfüllung der eigenen Allmachtsfantasien, aber auch die Bedrohung der eigenen Stellung sieht, eine grandiose Vorstellung. Nicht zuletzt aber ist "Hulk" eine Ode an die Liebe. Erst seine Seelenverwandten Betty (die wundervolle Jennifer Connelly) erlöst Hulk von dem Schmerz, den er in sich trägt - an seinem Schicksal ändert sie freilich nichts. Er bleibt der Gefangene seines Defekts, er lernt nur, sich damit abzufinden. (In München: Marmorhaus, Royal, Autokino, Cincinnati, Cinema i. O.)</P><P>"Hulk"<BR>mit Eric Bana, Nick Nolte,<BR>Jennifer Connelly <BR>Regie: Ang Lee<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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