Countdown für die Goldenen Löwen am Lido

Die Spannung am Lido steigt. An welche Filme und an welche Schauspieler wird die siebenköpfige Jury des 65. Festivals von Venedig die begehrten Goldenen Löwen vergeben?

Die Bandbreite der Sujets war unter den 21 Filmen im Wettbewerb groß, die Qualität oft nur mäßig, das Feld der Konkurrenten ziemlich geschlossen. Als letzten Film schickte der New Yorker Regisseur Darren Aronofsky am Freitag noch mit guten Erfolgschancen "The Wrestler" in das Rennen: Ein Melodrama um den gealterten Star-Wrestler Randy Robinson - eine grandiose Rolle, in die Darsteller Mickey Rourke gekonnt schlüpft.

Nun wartet Venedig auf die Preis-Gala am Samstag. Der deutsche Wettbewerbsbeitrag "Jerichow" von Christian Petzold und Werner Schroeters Bürgerkriegsdrama "Nuit de Chien" dürften kaum mehr als Außenseiterchancen bei den von Wim Wenders geleiteten Juroren haben.

Unter die Favoriten können "Ponyo on the Cliff by the Sea" des japanischen Altmeisters des Animationsfilms Hayao Miyazaki, aber auch der düstere äthiopische Streifen "Teza" von Haile Gerima oder Jonathan Demmes amerikanisches Familiendrama "Rachel Getting Married" mit der herausragenden Anne Hathaway gerechnet werden.

Hayao Miyazaki jedenfalls kam an den Lido und siegte mit dem anrührenden Animationsfilm vor allem beim Publikum. Warum also nicht auch bei der Jury? Immerhin war sein neues Werk ganz anders als das der Konkurrenz, vermischt er doch die Geschichte von Hans Christian Andersens "Die kleine Meerjungfrau" mit dem modernen japanischen Alltag. Der Ausnahmeregisseur ist jedoch bereits im Jahr 2005 in Venedig mit einem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk bedacht worden.

Als eine heiße Favoritin wird die amerikanische Regisseurin Kathryn Bigelow mit ihrem furiosen "The Hurt Locker" über die dramatische Arbeit der US-Elitesoldaten im Irak gehandelt. In der ihr eigenen Dynamik und in höchster Intensität verfolgt Bigelow über zwei Stunden lang den lebensgefährlichen Job der Bombenentschärfer im Krieg. Sie empfahl sich so am Lido durchaus für eine Auszeichnung.

Das gilt auch für den eindringlichen Streifen "Birdwatchers" des italienisch-chilenischen Regisseur Marco Bechis. Anklagend erzählt Bechis das trostlose Schicksal von Indios, die in Brasiliens Süden Großgrundbesitzern wie Sklaven dienen, dann aber zum Befreiungsschlag ausholen: Sie besetzen einfach das Land, das ihnen einst gehörte.

Preiswürdiges mit Ecken und Kanten gab es noch mehr. Dazu zählt auch das herausragend mit Kim Basinger und Charlize Theron besetzte, etwas zu sehr ausufernde Familiendrama "The Burning Plain". Der renommierte mexikanische Drehbuchautor Guillermo Arriaga brachte es als seinen Regie-Erstling nach Venedig. Oder jene bizarre italienische Geschichte "Il pap di Giovanna" von Pupi Avati, über ein Mädchen, das aus Eifersucht seine beste Freundin umbringt. Bizarr und gekonnt das Werk "Achilles und die Schildkröte" des Japaners Takeshi Kitano über einen Maler, der nur für seine Kunst lebt.

Chancen im Kampf um den Goldenen Löwen könnte aber auch "Vegas: Based on a True Story" haben. Darin beobachtet US-Regisseur Amir Naderi den Spielsüchtigen Eddie Parker und dessen Frau Tracy, die nahe der Vergnügungshochburg Las Vegas in ihrem Vorgarten nach einem vermeintlichen millionenschweren Schatz graben, bis mehr als nur ihr Garten ein Schutthaufen ist. Auch Naderis Vegas-Drama zeigt: Trotz schwächster Hollywood-Präsenz im diesjährigen Wettbewerb war unter den fünf amerikanischen Streifen keine Niete, ganz im Gegensatz zu den italienischen oder französischen Filmen im Kampf um die Löwen.

Mit einer starken Geschichte, auch mit nachhallenden Bildern, mit unverbrauchten Gesichtern und angenehm viel Humor machte der junge russische Regisseur Alexej German Jr. in Venedig auf sich aufmerksam: Sein Film "Papiersoldat" über die Vorbereitungen des ersten bemannten Raumfluges ist preiswürdig. Venedig wartet auf das Jury-Verdikt nach einem nur mittelprächtigen Festival-Jahrgang 2008.

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