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"Cuban Fury": Pummelchen tanzt wirklich

Köln - Klingt nach Schenkelklopf-Komödie, hat aber mehr zu bieten: Mit seinem Spielfilmdebüt „Cuban Fury – Echte Männer tanzen“ gelingt Regisseur James Griffiths mehr als platte Einheitsware.

Nick Frost hat wenig Scheu vor peinlichen Momenten. Weder vor der Kamera noch zuhause vor dem Computer. An der heimischen Tastatur allerdings brauchte der britische Comedian und Schauspieler Starthilfe – durch Alkohol. Reichlich angeschickert sendete er Nira Park, der Produzentin gemeinsamer Filmhits wie „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“, mitten in der Nacht eine Mail. „Würdest du einen Film produzieren, in dem ich tanze… sehr viel tanze?“ Parks Antwort kommt nun ins Kino.

Pummelchen Nick Frost tanzt wirklich. Im schimmernden Hemd, mit Strasssteinen auf der Brust, die Augen rollend wie ein brünftiger Hirsch, die Lippen lockend wie ein Model beim Cover-Shooting. In seiner neuen Komödie „Cuban Fury – Echte Männer tanzen“ erweist der 42-Jährige nicht nur dem Salsa große Ehre. Er bricht zugleich eine Lanze für all jene, die ihren Körper übers Parkett bewegen wollen, auch wenn dieser statt Sixpack und Wespentaille Wampe und Cellulite zu bieten hat. Denn obwohl Frosts Figur Bruce witzig ist – eine Witzfigur ist sie nicht.

Das, was andere Filme als Vorspann verkaufen, ist hier die Vorgeschichte. Sie startet so bunt, satirisch und voller schnell getakteter Gags, dass die ersten Minuten des eigentlichen Erzählstrangs fast geruhsam wirken. Es dauert ein bisschen, bis wir uns mit Bruce arrangiert haben. Dieser räumte als Teenager sämtliche Nachwuchstanzpreise Englands ab. Nach einem traumatischen Erlebnis jedoch gab er den Salsa auf, wurde dick, behäbig und arbeitet nun als Angestellter trübselig vor sich hin. Keiner illustriert Bruces Fall besser als dessen Kollege Drew (Chris O’Dowd): Fast stündlich mobbt dieser den Moppel, ohne auf ernst zu nehmende Gegenwehr zu stoßen. Bis die Amerikanerin Julia (Rashida Jones) als neue Chefin in die Abteilung kommt. Dann beginnt ein Wettstreit um die Gunst der Frau.

Klingt banal? Ist es auf den ersten Blick auch. Vom Grundgerüst her bietet „Cuban Fury“ nicht mehr als eine dieser Schenkelklopf-Komödien. Zwei Herren kämpfen um eine Dame, ein Dicker tanzt, und im Hintergrund tummeln sich allerhand schräge Typen wie Bruces Golfkollegen oder der tuckige Salsero Bejan (Kayvan Novak). Im Ton jedoch hebt sich das Spielfilmdebüt des Briten James Griffiths deutlich von der Einheitsware ab. Die Frau etwa ist kein hübscher Kleiderständer, sondern richtig lustig. Und auch Bruce verkörpert nicht den üblichen Trottel, der nur für Slapstickeinlagen und Running Gags zuständig ist.

Der Regisseur liebt seine Figuren. Seinen Protagonisten zeichnet er als warmherzigen, trotz aller Übertreibungen realistischen Menschen, als frustrierten Helden, ohne ihn allzu sehr in die Underdog-Rolle hineinzudrängen. Dass der Film so gut funktioniert, liegt freilich auch an seiner britischen Machart und den dazu passenden trockenen Sprüchen. Sätze wie „Du bist nicht behindert, sondern verheiratet“ wird man in bundesdeutschen Lustspielen noch länger vermissen, ebenso den spielerisch-leichten, in keiner Sekunde verkrampft wirkenden Umgang mit den Facetten des Salsa: Von männlich bis metrosexuell, von sportlich bis elegant, von kämpferisch bis verspielt, von peinlich bis edel ist alles dabei. Wer einen lustigen Kinoabend ohne Ärgernisse haben will, kann sich kaum mehr wünschen.

Kathrin Hildebrand

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