Die Dämonen sind frei

- Barry Egan (Adam Sandler) wartet. Er weiß nicht genau, worauf. Er weiß nur, es muss etwas mit seinem Leben geschehen, sonst dreht er durch. Seine öden Tage verbringt er in einer Lagerhalle, wo er überflüssigen Wohlstandsramsch verkauft. Ansonsten wird er von seinen sieben Schwestern terrorisiert, und wenn er mit jemandem reden möchte, ruft er die Sex-Hotline an. Barry lebt nicht, er ist einfach nur da und geht sich selbst aus dem Weg.

Ein trostloses Dasein also, aus dem Barry doch noch erlöst wird- natürlich durch Liebe. Allerdings ist es eine beschwerlicheReise, bis er mit der Erwählten (Emily Watson) zusammenkommt. DieAngst der Zurückweisung ist größer als die Sehnsucht nach Nähe.Zu sehr scheint Isolation der Normalzustand zu sein, zu abwegigwirkt es, jemandem einfach zu sagen, was man fühlt.

Was ein kaputtes Harmonium, Bonusmeilen und Pudding in dieserschrägen kleinen Romanze verloren haben, muss man selber gesehenhaben - es zu erzählen, hieße, die Magie des Films zu verraten."Punch-Drunk Love" entzieht sich mit extravagantem Erzählflusseingefahrenen Mustern des Hollywood-Kinos. Der 32-jährige PaulThomas Anderson, nach "Magnolia" vor drei Jahren zumRegie-Wunderkind ausgerufen, lotet auch hier alle Möglichkeitendes Kinos aus und verbindet bemerkenswert unangestrengtklassische Erzählkunst mit Experimentierfreude. Mitunter treibtder spürbare Wunsch, Kunst zu produzieren, merkwürdige Blüten,aber letztlich überwiegt das Staunen über die verzerrte, dabeidoch präzise Sicht auf eine groteske Welt.

Dass man dem Film selbst dann folgt, wenn es unübersichtlichwird, liegt auch am oft unterschätzten Hauptdarsteller AdamSandler. Er variiert geschickt seine Paraderolle des nettenDurchschnittstypen, der von seiner Umwelt unter Druck gesetztwird und brodelnde Wut hinter tapsiger Liebenswürdigkeitverbirgt. Nur dass Sandler diesmal seine Dämonen freilassen darf,um sie endlich bezwingen zu können. (In München: Leopold, City,Atlantis i.O., Theatiner i.O.)

"Punch-Dunk Love"

mit Adam Sandler, Emily Watson

Regie: Paul Thomas Anderson

Sehenswert

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