Und plötzlich steht Eddie (Bradley Cooper) das Wasser wieder bis zum Hals – denn seine Erfolgsdroge hat fatale Nebenwirkungen. Foto: verleih

Dafür wurde das Kino erfunden

München - Neil Burger ist mit dem Thriller „Ohne Limit“ ein mitreißender und visuell beeindruckender Film gelungen.

Was würden wir tun, wenn es eine Droge gäbe, mit deren Hilfe wir die gesamte Kapazität unseres Hirns ausschöpfen könnten (anstatt wie üblich nur ein Fünftel)? Würden wir den Stoff nehmen, auch wenn er noch nicht medizinisch erprobt wäre? Der erfolglose New Yorker Schriftsteller Eddie zögert nicht lange, als er eine solches Präparat in die Finger kriegt - und steigt kometenhaft zu einem strahlenden Siegertypen auf: Er lernt Fremdsprachen in Windeseile, begreift komplizierte wirtschaftliche Zusammenhänge und verzaubert jeden mit seinem Charme. Allerdings stellen sich bald fatale Erinnerungslücken ein: Hat Eddie im Drogenrausch vielleicht sogar einen Mord begangen? Das ist nicht sein einziges Problem: Wenn er die Pillen absetzt, sind die Nebenwirkungen noch verheerender - aber er hat nur einen begrenzten Vorrat von dem Zeug… Regisseur Neil Burger („The Illusionist“) ist ein bildgewaltiger, mitreißender High-Speed-Thriller geglückt: Mit Hilfe eines klugen Konzepts für Kamerabewegung, Farben, Look und Effekte zeigt er eindrucksvoll, wie sich Eddies Wahrnehmung unter Drogeneinfluss verändert. Verblüffende Perspektiven, originelle Zooms, irrwitzige Kamerafahrten und flotte, höchst intelligente Schnitte fügen sich zu einem schwindelerregenden filmischen Fiebertraum, der den Zuschauer vom ersten Moment an hypnotisch ins Geschehen hineinzieht. In markanten Nebenrollen sind Leinwand-Legende Robert De Niro (als Finanzmogul) und „Sucker Punch“-Lichtblick Abbie Cornish (als Eddies Freundin) zu erleben. Doch den größten Besetzungscoup hat Burger mit Hauptdarsteller Bradley Cooper gelandet, der beinahe in jeder Einstellung des Films zu sehen ist: Der „Hangover“-Star kann hier endlich einmal beweisen, dass er weit mehr draufhat als ein Sonnyboy-Lächeln. Jede Facette seiner vielschichtigen Figur verkörpert er überzeugend - den apathischen Loser ebenso wie den magnetischen Macher. Seinem Charisma und seiner schauspielerischen Brillanz ist es zu verdanken, dass man stets mit Eddie mitfühlt und mitfiebert - und dass diese rasante, mit Humor gewürzte Achterbahnfahrt bis zum wunderbar amoralischen Schluss spannend bleibt. Ein atemberaubender cineastischer Rausch: Für solche Filme wurde das Kino erfunden! (In München: Mathäser, Cinemaxx, Leopold, Autokino, Cinema OV.)

„Ohne Limit“

mit Bradley Cooper

Regie: Neil Burger

Hervorragend (((((

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Strange Days“ mochten.

Von Marco Schmidt

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