Daniel Craig: Auf dem Rücken der Pferde

Daniel Craig spricht im Interview über „Cowboys & Aliens“, Kinderträume, Schauspielerkollegen, gefährliche Hüte und Pistolen.

James Bond auf Abwegen: In dem Westernspaß „Cowboys & Aliens“, der am kommenden Donnerstag in den Kinos anläuft, spielt 007-Darsteller Daniel Craig einen Revolverhelden im Wilden Westen. Wir trafen den kernigen 43-Jährigen bei den Filmfestspielen von Locarno, wo sein neuer Film vor 8000 Zuschauern auf der Piazza Grande seine Europapremiere feierte. Sein kräftiger Händedruck lässt darauf schließen, dass er kein Warmduscher ist. Und wenn man ihm gegenübersitzt, wirken seine stahlblauen Augen fast noch magnetischer als auf der Leinwand.

Wie wird man als Brite zu einem amerikanischen Cowboy?

Durch viel Übung. Um mich an die schweren Pistolen zu gewöhnen, habe ich meinen Pistolengürtel mit nach Hause genommen und rund um die Uhr getragen. Ich habe echte Cowboys aufmerksam beobachtet – ihre Haltung, ihren Gang. Und ich habe von ihnen gelernt, wie man seinen Hut am Kopf befestigt, denn beim Dreh musste jeder, der ihn verlor, eine Runde ausgeben. Manche haben deswegen sogar Haarspray benutzt – ich nicht! Aber für mich ging mit dieser Rolle ein Traum in Erfüllung: Ich bin mit Western aufgewachsen und habe schon als kleiner Junge immer „Cowboy und Indianer“ gespielt.

Waren Sie damals lieber Indianer oder Cowboy?

Mal so, mal so. Sie sehen, ich habe bereits in jungen Jahren schauspielerische Wandlungsfähigkeit bewiesen! (Lacht.)

Ihre Leinwand-Partnerin Olivia Wilde sagt, Sie seien ein sehr talentierter Reiter.

Das ist sehr nett von ihr, aber sie reitet viel besser als ich. Mich in den Sattel zu schwingen, war schon ein großer Schritt für mich. Im Prinzip habe ich bloß versucht, mich da oben so zu halten, dass es so aussah, als wäre ich schon mal geritten. Mit der Zeit wurde ich ein bisschen sicherer, doch mehr war nicht drin. Eines kann ich Ihnen allerdings verraten: Egal, wie schlecht Sie geschlafen haben – wenn Sie morgens um sechs auf einem Pferd sitzen müssen, sind Sie sofort hellwach!

Olivia hat auch gesagt, sie sei vor der Begegnung mit Ihnen sehr nervös gewesen.

Ja, so etwas beobachte ich immer wieder. Dabei gibt es gar keinen Grund, sich in meiner Gegenwart zu fürchten. Schließlich bin ich ein ganz normaler Mensch. Na ja, zumindest tief in mir drin… (Lacht.)

Sind Sie selbst manchmal noch aufgeregt, wenn Sie berühmten Leuten entgegentreten?

O ja. Bei meinem ersten Treffen mit Harrison Ford war ich zum Beispiel verdammt nervös. Zum Glück stellte sich heraus, dass er ein ausgesprochen reizender und witziger Kerl ist. Wir hatten viel Spaß zusammen, vor allem, weil die Pferde oft gefurzt haben. Wir haben sogar eine richtige Beziehung zu unseren Pferden entwickelt – so intensiv, dass Harrison Ford die beiden Tiere schließlich gekauft hat. Wenn ich ein Stück Land besäße, hätte ich das selbst getan. Aber in meiner Wohnung wäre der Gaul vermutlich nicht glücklich geworden.

Sie spielen im Film einen extrem wortkargen Typen…

Ja, und das war eine bewusste Entscheidung. Ich habe sogar noch einige Drehbuchsätze gestrichen, denn Cowboys reden nicht über ihre Gefühle. Sie sagen „Ja“ oder „Nein“ – oder „Peng“!

Und Sie? Sprechen Sie daheim über Ihre Gefühle?

Ja, sicher. Ständig. Das ist mir ein großes Bedürfnis. Im wirklichen Leben bin ich alles andere als ein Haudegen – und so ziemlich das Gegenteil von James Bond. Ich weiß gar nicht, ob es dermaßen harte, nahezu unbesiegbare Kerle in der Realität überhaupt gibt. Aber gerade deshalb macht es mir großen Spaß, solche Typen zu spielen: weil sie so anders sind als ich. In „Cowboys & Aliens“ wird schon in der ersten Szene deutlich, dass meine Filmfigur extrem gefährlich ist. Es hat mich gereizt, die Brüche und die menschlichen Seiten in seinem Charakter zu entdecken.

Können Sie nach einem knallharten Dreh Ihre Rollen problemlos abstreifen?

O ja. Ich fange zu Hause nicht an, mich aus dem Fenster abzuseilen oder den Postboten zu erschrecken. Auch wenn ich tagsüber am Set als James Bond die Welt gerettet habe, kämpfe ich abends genauso wie Sie damit, die Sauce aus der Flasche sauber auf den Teller zu bringen. Doch ich kann Sie beruhigen: Wenn ich mal wieder beim Öffnen einer Konservendose versage, bekomme ich deswegen noch lange keinen Nervenzusammenbruch!

Wann dürfen wir mit dem neuen James-Bond-Film rechnen?

Nächsten Monat fange ich mit dem Training an. Ich werde meinen Körpereinsatz nicht mehr so grotesk übertreiben wie bei „Ein Quantum Trost“ – trotzdem muss ich natürlich für die sechsmonatigen Dreharbeiten möglichst fit sein. Ich wünschte, ich könnte Ihnen sagen, dass ich mich darauf freue, wieder jeden Tag ins Fitness-Studio zu gehen. Aber die Wahrheit ist: Ich finde es stinklangweilig!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

Rubriklistenbild: © dpa

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