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„Dazu wäre ich viel zu feige!“ Daniel Craig wünscht sich – vor allem in Ländern wie Russland – mehr engagierte Reporter wie Mikael Blomkvist, den er in David Finchers „Verblendung“ nach dem Roman von Stieg Larsson spielt.

Daniel Craig: „Was macht Euer Präsident?“

Berlin - Anlässlich der Premiere seines Films "Verblendung" haben wir Daniel Craig zu einem Gespräch getroffen. Im Interview äußert er sich sogar zu Bundespräsident Wulff und seinen Kampf gegen die Presse.

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Eigentlich steckt Daniel Craig gerade mitten in den Dreharbeiten zu seinem dritten James-Bond-Film „Skyfall“. Doch der 007-Darsteller unterbrach sein straffes Programm, um zur Deutschlandpremiere des Films „Verblendung“, der am Donnerstag in den Kinos startet, nach Berlin zu kommen. In der US-Neuverfilmung des ersten der drei erfolgreichen „Millennium“-Romane von Stieg Larsson verkörpert Craig den engagierten Journalisten Mikael Blomkvist. Vor seinem Gang über den roten Teppich trafen wir den 43-jährigen Schauspiel-Star zum Gespräch.

Erst 007, jetzt die „Millennium“-Trilogie – sind Sie ein Serientäter?

Nein, das ist reiner Zufall. Und wer weiß, ob das überhaupt eine Serie wird: Ob Hollywood auch die anderen beiden Bücher der Trilogie verfilmt, hängt davon ab, ob „Verblendung“ ein finanzieller Erfolg wird. Ich wäre jedenfalls liebend gern wieder dabei.

Warum? Was reizt Sie an der Rolle des Reporters Mikael Blomkvist?

Anders als bei Bond habe ich hier endlich mal richtige Dialoge, nicht nur Einzeiler! (Lacht.) Nein, mich hat vor allem die Komplexität der Figur fasziniert: Blomkvist ist ein Frauenheld, ein Raucher, ein Trinker, ein verdammt schlechter Vater – andererseits gefällt mir seine Einstellung, sein Mut, sein unerbittlicher Kampf gegen Korruption. In dieser Hinsicht steht er mir sehr viel näher als James Bond.

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Kennen Sie die schwedische Verfilmung von Niels Arden Oplev aus dem Jahr 2009?

Nein, die habe ich mir bewusst nicht angeschaut, um mir meinen eigenen Blick nicht zu verstellen. Wir wollten schließlich kein Remake drehen, sondern den Roman neu verfilmen. Ich finde es traumhaft, dass Hollywood sich getraut hat, eine derart finstere Geschichte zu erzählen und Regisseur David Fincher dabei freie Hand zu lassen. Er inszeniert Gewalt so, wie man sie im Hollywood-Kino sonst nie zu sehen bekommt. Drum glaube ich auch nicht, dass er Oscar-Chancen hat: Für den amerikanischen Geschmack steckt einfach zu viel Vergewaltigung drin! Das ist ein echter Film für Erwachsene: düster, intelligent erzählt, mit einer Botschaft. Sehr selten heutzutage.

Blomkvists journalistische Methoden sind nicht immer legal. Das lässt an den jüngsten Murdoch-Abhörskandal denken. Haben Sie sich selbst je als Opfer der Presse empfunden?

Nein, Opfer wäre das falsche Wort. Opfer sind Leute wie die Familie Dowler, bei denen man sich in die Mailbox der Tochter gehackt hat. Aber es ist ein schmaler Grat, der auch im Film thematisiert wird: Darf man sich in den Computer eines Kriminellen hacken, um dessen Machenschaften aufzudecken? Wie ist es, wenn man etwas über das Privatleben eines Prominenten herausfinden will? Wie ist es, wenn ein Präsident bei der „Bild“-Zeitung anruft und versucht, Journalisten unter Druck zu setzen?

Oho! Verfolgen Sie etwa die Debatte um unseren Bundespräsidenten?

Die Medien sind ja voll davon: Sobald ich hier im Hotel den Fernseher einschalte, höre ich den Namen Wulff. Aber bis gestern hatte ich, ehrlich gesagt, überhaupt keine Ahnung, dass Ihr Deutschen neben Eurer Kanzlerin auch noch einen Präsidenten habt. Was macht der denn so?

Er hat vorwiegend repräsentative Aufgaben. Er ist sozusagen unsere Queen.

Okay. Aber die Frage ist doch: Darf ein Journalist bei seiner Recherche ebenso kriminell werden wie der Kriminelle, den er überführen will? Darüber wird man sicher im Einzelfall diskutieren müssen.

Brauchen wir mehr Reporter wie Blomkvist?

Ja! Denken Sie nur an Länder wie Russland, in denen Journalisten ihres Lebens nicht mehr sicher sind, nur weil sie die Korruption bekämpfen und die Wahrheit herausfinden möchten. Das sind wahre Helden für mich. Ich selbst könnte so etwas nicht. Dazu wäre ich viel zu feige!

Das Gespräch führte Marco Schmidt

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