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Jan Delay fand Willi schon als Jugendlicher cool.

Rapper synchronisiert für "Biene Maja"

Jan Delay: Willi ist "ein bisschen schissermäßig"

München - Jan Delay wird im Film "Biene Maja" dem Bienenjungen Willi seine Stimme leihen. Wir haben mit dem Rapper über seinen Job gesprochen.

Die abenteuerlustige Biene Maja und ihre Freunde prägten in den 70er-Jahren viele junge Fernsehzuschauer. Dabei verlieh Synchronsprecher Eberhard Storeck dem Bienenjungen Willi mit quäkiger Stimme Kultstatus. Nun tritt Musiker Jan Delay beim Film Biene Maja (ab 11.9. im Kino) in Storecks Fußstapfen. Bammel vor dem Vergleich habe er nicht, betont der 38-Jährige: „Ich finde, dass meine Stimme seiner sehr ähnelt.“ Das Interview:

Waren Sie als Kind selbst Fan der Zeichentrickserie aus den 70ern?

Jan Delay: Ja, vor allem von Willi witzigerweise. Maja war eher was für Mädchen, aber für mich als Junge war Willi die Identifikationsfigur. Der war lustig, ein bisschen faul, ein bisschen schissermäßig, hatte hier und da mal keinen Bock und war um eine gute Ausrede nicht verlegen. Das fand ich irgendwie sympathisch.

Einige Kritiker sagen, der Film zerstöre den Klassiker …

Delay: Ich weiß, was die Leute meinen. Diese Diskussion gab es wahrscheinlich schon vor der Erfindung der Bibel. Dass immer etwas Altes lieb gewonnen wurde und dann kommt etwas Neues. Die Leute, die das Alte noch kennen, kommen damit nicht klar, während Jüngere das Neue super finden. Irgendwann in zehn oder 20 Jahren wird es noch eine andere Art und Weise Filme zu machen geben. Wenn dann wieder jemand Biene Maja produziert, werden die Leute, die jetzt so auf die animierte Biene Maja geflogen sind, sagen: „Das geht aber gar nicht, wo ist der Kultstatus?“ Das ist einfach so.

Gucken Sie Animationsfilme?

Delay: Ja, klar. Ich mag Trickfilme, Animationsfilme und „echte Filme“. Aber ich bin ehrlich gesagt bei Schwarz-Weiß-Filmen ein bisschen schneller mit dem Weiterzappen. Es sei denn, es handelt sich um Charlie Chaplin oder die Marx Brothers.

Was ist denn die größere Herausforderung: Singen oder Synchronisieren?

Delay: Das Synchronisieren ist wie Urlaub für mich. Denn als Musiker komme ich ins Studio, habe selber im Kopf, was ich machen will, was die Musiker spielen sollen. Wenn es nicht hingehauen hat, denke ich die ganze Nacht darüber nach. Als Synchronsprecher gehe ich ins Studio und lasse mir von jemand anderem sagen, was ich jetzt sagen soll und wie sich das anhören soll. Danach aber ist Feierabend, ich kann den Kopf ausschalten und nehme das nicht mit nach Hause.

S. Lettgen

Vom Buch auf die Leinwand

Der Ärger war freilich programmiert: Die Hardcore-Fans der Biene-Maja-Serie aus den 70ern würden eine moderne 3-D-Fassung niemals akzeptieren. Für sie ist die neue Filmversion, die ab 11. September in die Kinos kommt, auch nicht gedacht. Eher für die ganz Jungen.

Dabei war natürlich auch die 1975 vom ZDF in Auftrag gegebene Zeichentrickserie nicht unbedingt werkstreu. Vor allem der neue Liebling Willi findet sich in den Romanen von Waldemar Bonsels nicht wieder. Und noch weiterere Helden kamen hinzu: Grashüpfer Flip, Regenwurm Max, das Hummelkind Bommbus, die Zwergmaus Alexander sowie die Ameisensoldaten. Waldemar Bonsels selbst präsentierte übrigens 1925 gemeinsam mit dem Biologen und Filmregisseur Wolfram Junghans eine Kinoversion, in der die Handlung in mühevoller Arbeit mit echten Insekten nachgestellt worden war.

Majas braune Weste

So niedlich, frech und süß Biene Maja, Willi, Kassan­dra und Stubenfliege Puck auch sind, der Mann, der dahintersteckt, ist dann doch sehr umstritten. Waldemar Bonsels heißt der Autor, der 1912 Die Biene Maja und ihre Abenteuer sowie drei Jahre später Himmelsvolk veröffentlichte. Darin verarbeitete er sowohl Erlebnisse aus seiner Kindheit in Ahrensburg als auch Beobachtungen im Schlosspark in Schleißheim, nachdem er dort Anfang der 1910er-Jahre in die Villa Isemann gezogen war.

Waldermar Bonsels war einer der am meisten gelesenen deutschen Autoren in den 20ern, aber leider war er auch ein überzeugter Antisemit. Die Bücherverbrennungen der Nazis befürwortete er in einem Artikel 1933, weil der „überhandnehmende Einfluss jüdischen Wesens“ damit beendet werde. Waldemar Bonsels starb 1952 in Ambach am Starnberger See.

as

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