Deutsche Filme kommen in Locarno gut an

Locarno - Auf dem 60. Internationalen Filmfestival von Locarno sind die Beiträge aus Deutschland auf ein begeistertes Echo gestoßen. Das deutsche Filmschaffen ist mit 13 Arbeiten in den wichtigsten Sektionen vertreten - wie dem Internationalen Wettbewerb um den Goldenen Leoparden, dem Nachwuchswettbewerb und der Reihe allabendlicher Aufführungen auf der mittelalterlichen Piazza Grande.

Im Rennen um den mit 60 000 Euro dotierten Goldenen Leoparden gilt unter anderem Regie-Debütantin Ulrike von Ribbeck mit "Früher oder später" als Favoritin. 19 Produktionen aus 18 Ländern konkurrieren noch bis zum 11. August um die Trophäe als bester Film.

Von Ribbecks Studie über eine 14-Jährige im Spannungsfeld zwischen erster Liebe und zerrüttetem Elternhaus fand viel Beifall. Die zur Zeit der Dreharbeiten tatsächlich erst 14 Jahre alte Hauptdarstellerin Lola Klamroth ist die Tochter des Schauspielers Peter Lohmeyer, der im Film auch ihren Vater spielt. Sie wird am Lago Maggiore als außerordentliches Talent gefeiert und kann sogar auf die Ehrung als beste Schauspielerin dieses Festivaljahrgangs hoffen.

Viel Zuspruch bekam auch die zu mitternächtlicher Stunde auf der Piazza Grande gezeigte Adaption des Erfolgsromans "Nichts als Gespenster" der Autorin Judith Hermann. Regisseur Martin Gypkens hat einige Episoden der bei Kennern als unverfilmbar geltenden Vorlage mit großartigen Schauspielern wie beispielsweise Fritzi Haberlandt und August Diehl kunstvoll zu einem facettenreichen Porträt der Generation X gefügt.

In der beim Festivalpublikum beliebten "Woche der Kritik" hat "Allein in vier Wänden" der russischstämmigen Regisseurin Alexandra Westmeier Chancen auf einen Preis. Die Dokumentation erkundet feinfühlig den Alltag von jugendlichen Strafgefangenen in Russland und entwirft dabei ohne Klischees ein düsteres Bild einer intoleranten und kalten Gesellschaft.

Düstere Gesellschaftspanoramen haben bisher den Hauptwettbewerb von Locarno geprägt. Neben "Früher oder später" fesselte besonders die französisch-arabische Koproduktion "La Maison Jaune". Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Amor Hakkar denkt mittels einer Familientragödie über den Sinn des Lebens nach. Dabei vertraut er der Suggestivkraft der Bilder und spiegelt ein Dasein am Rande der Verzweiflung in faszinierenden Landschaftsbildern.

Als politisches Manifest fand auf dem traditionell gesellschaftskritisch engagierten Festival der englische Film "Extraordinary Rendition" viel Zustimmung. Von Tatsachen angeregt, wird der fiktive Fall eines britischen Bürgers arabischer Abstammung aufgerollt, der nach dem 11. September aufgrund eines CIA-Programms als angeblicher Terrorist entführt und gefoltert wird. In kalten Farben gehalten, wird das Drama zu einer machtvollen Anklage einer Politik, die im Namen der Menschlichkeit unmenschlich handelt.

Als Kontrastprogramm zum schwergewichtigen Wettbewerb bieten die Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande für rund achttausend Zuschauer vor allem leichtere Kost. Ob hintersinnige Komödie, wie "I always wanted to be a Gangster" (Frankreich), schräge Farce wie "Death at a Funeral" (England) oder knalliges Action-Spektakel wie "The Bourne Ultimatum" (USA) mit Matt Damon - das aus aller Welt angereiste Publikum lässt sich allabendlich begeistert auf die Magie des Kinos ein.

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