"In der deutschen Seele begründet"

- Der Hamburger Oliver Hirschbiegel sieht sich gerne als Filmemacher, der auf die amerikanische Art arbeitet, als Auftragsregisseur, der Handwerk und Kunst verbindet. Von Bernd Eichinger wurde er mit einem gleichermaßen großen und schwierigen Stoff versorgt: "Der Untergang" schildert das Ende der Nazidiktatur aus nächster Nähe, aus dem Bunker, in dem sich Hitler und seine Offiziere verschanzt hatten. Der Wahn Hitlers - gespielt von Bruno Ganz - wird dabei kontrastiert mit dem Kampf ums Überleben in den Straßen von Berlin.

<P>Heute Weltpremiere in München</P><P>In München findet heute die offizielle Weltpremiere statt, nächste Woche wird der Film mit großer Medienkampagne und ebensolchen Erwartungen bundesweit gestartet. Dennoch kann er als Risiko gelten, denn die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit erfordert eine besondere Sensibilität. "Gesellschaftspolitisch würde ich den Film nicht als Wagnis bezeichnen", findet Oliver Hirschbiegel. "Die Frage ist nur, ob man Hitler darstellen kann. Man mag sich in ihn nicht hineinversetzen, muss sich aber einfach in den Abgrund stürzen. Zur Katharsis habe ich dann Kleist gelesen oder Schopenhauer und Bach gehört. Als Gegenwaffen sozusagen."<BR><BR>Vielleicht liegt die Gefahr auch im Abbild an sich. Das Unbegreifliche des Nazi-Terrors wird fassbar, Hitler gewinnt auf der Leinwand mitunter eine Menschlichkeit, die ihn abzumildern scheint. Hirschbiegel wiegelt allerdings ab: "Auch Shakespeare hat Massenmörder abgebildet wie Richard III." Als wolle er unterstreichen, dass die Nazi-Diktatur dennoch ein Sonderfall war, stellt Hirschbiegel die gewagte These auf: "Etwas wie der Nationalsozialismus konnte woanders nicht stattfinden. Ich glaube, dass das irgendwie in der deutschen Seele begründet ist, im deutschen Blut. Mit anderen Diktaturen sind diese Auswüchse nicht vergleichbar."<BR><BR>Etwas missverständlich erscheinen in diesem Zusammenhang Hirschbiegls Ziele, die er mit "Der Untergang" verfolgt: "Ich möchte keine Antworten geben, sondern die Ereignisse darstellen, in ihrer ganzen Ungeheuerlichkeit. Wir dürfen nicht immer nur dämonisieren, sondern müssen genau untersuchen, was geschehen ist zu dieser Zeit. Es gibt viel, auf das man stolz sein kann im heutigen Deutschland, irgendwann wird man das dann auch wieder sagen können. Nur reinwaschen können wir uns nicht."</P>

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