+
Der Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" hat Chancen auf einen Auslands-Oscar.

Deutscher Film feiert schon vor Oscar-Verleihung

Los Angeles - Deutschland goes Hollywood. Der verwunschene Garten der Villa Aurora im kalifornischen Pacific Palisades platzt fast aus den Nähten, als beim traditionellen deutschen Empfang im Vorfeld der Oscar-Verleihung die heimischen Hoffnungsträger gefeiert werden.

"Wir sind sehr stolz, dass wir so viele Nominierungen haben", sagt Erfolgsregisseur Bernd Eichinger, der mit seinem Team vom RAF-Film "Der Baader Meinhof Komplex" die Riege anführt.

Selbst Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat es sich nicht nehmen lassen, zum Daumendrücken eigens nach Los Angeles zu kommen. Schließlich gibt es einen Rekord zu feiern: Sechs deutsche oder mit deutscher Beteiligung entstandene Streifen hatten es geschafft, als mögliche Anwärter ins Rennen um den höchsten Filmpreis der Welt geschickt zu werden. Die Oscars werden in der Nacht zum Montag (0200 MEZ) in Hollywood verliehen.

"Der Deutsche Film ist international geworden", lobt Neumann am Samstagabend vor den rund 600 handverlesenen Gästen. Im Gegenzug lädt er Hollywood zur Produktion nach Deutschland ein: "Kommen Sie zu uns. Wir bieten Ihnen die besten Voraussetzungen, um erfolgreiche Filme zu drehen", sagt er und verweist auf Beispiele wie den Stauffenberg-Film "Walküre" mit Tom Cruise, der in Berlin entstand.

Das "Baader Meinhof"-Team hatte seine Aussichten auf einen Auslands-Oscar schon am Vortag kräftig gefeiert. Ein noch reichlich fröhlicher Eichinger ließ die Gäste offenherzig wissen, sein Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu stehe wohl deshalb nicht mit auf dem Podest, weil er sich übergeben müsse. "Wir haben ihm ein bisschen zu viel zu trinken gegeben."

Im direkten Gespräch versichert Bleibtreu jedoch, er sei "superglücklich", in Hollywood zu sein. "Nominiert zu werden, ist ein Riesenschritt. Ob man das Ding dann wirklich kriegt oder nicht, ist nicht so wichtig." Eichinger, Regisseur Uli Edel & Co wissen, wie hart die Konkurrenz in der Kategorie bester ausländischer Film dieses Jahr ist.

Vor allem der ungewöhnliche israelische Animationsfilm "Waltz With Bashir" von Ari Folman über seine Erfahrungen als Soldat im Libanonkrieg 1982 wurden schon im Vorfeld immer wieder als Favorit genannt.

Bei einem Symposium der Oscar-Akademie, bei dem alle fünf Konkurrenten ihre Arbeiten vorstellten, sagte Folman verschmitzt: "Ich würde wohl nicht hier sitzen, wenn mein Film ein "normaler" Spielfilm gewesen wäre. Die Animation war im Nachhinein vielleicht gar keine so schlechte Idee."

Sein Film hat mit Gerhard Meixner und Roman Paul von der Berliner Produktionsfirma Razor Film ebenfalls deutsche Wurzeln. Zufall oder nicht: Beim Empfang am Samstag wurde zunächst vergessen, das Produzenten-Duo mit aufs große Familienbild zu bitten. Für ihn sei es unmöglich, die beiden einzuladen, flachste Eichinger.

Selbstverständlich dabei war der Berliner Regisseur Jochen Alexander Freydank, der mit seiner nur 14 Minuten langen, herzzerreißenden Holocaust-Geschichte "Spielzeugland" hoch für einen Kurzfilm-Oscar gehandelt wurde. "Ich habe den Film ja nicht gemacht, um einen Preis zu bekommen, sondern weil ich etwas zu sagen hatte", betont der 40-Jährige. "Aber wenn so was noch obendrauf kommt, ist es natürlich das I-Tüpfelchen."

In der wunderbaren Villa Aurora, in der einst der vor den Nazis geflohene Schriftsteller Lion Feuchtwanger hoch über dem Pazifik einen literarischen Zirkel pflegte, war die Stimmung deshalb schon vor der Preisverleihung bestens.

Zu den Gästen gehörte neben dem ebenfalls nominierten Kurzfilmer Reto Caffi auch der deutsche Jungstar David Kross ("Der Vorleser"), die mit einem Sonderapplaus bedachte Schauspielerin Martina Gedeck und Regisseurin Caroline Link, die 2003 mit "Nirgendwo in Afrika" den ersten Auslands-Oscar für Deutschland seit fast 25 Jahren geholt hatte.

"Wir haben so viele tolle Nominierte", sagte Generalkonsul und Mitgastgeber Christian Stocks. "Ich habe mich deshalb entschieden, mich lieber um gutes Wetter zu kümmern."

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coppola zu „Die Verführten“: „Ich möchte keine Serie daraus machen“
Beim Münchner Filmfest hat die US-Regisseurin Sofia Coppola ihr neues Werk „Die Verführten“ vorgestellt. Wir trafen sie zum Interview.
Coppola zu „Die Verführten“: „Ich möchte keine Serie daraus machen“

Kommentare